„Wochenimpuls 2026-16“
Leben aus der Bestimmtheit des Beters
Was ist für dich, was ist für sie wichtig? Wer heute mit dieser Frage konfrontiert wird, wird – je nach eigener persönlicher Situation – seine ganz individuelle Antwort geben. Beruf, Karriere, Familie, Reise oder gesellschaftliches Engagement, werden in jüngeren und mittleren Jahren das Gros der Antworten ausmachen. Ältere hingegen werden eher Gesundheit, Rente und Ruhe in den Mittelpunkt stellen. Frieden, Nachhaltigkeit im Wirtschaften und schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen, die uns die Schöpfung zur Verfügung stellt, sind wohl Aspekte, die generationsübergreifend von Bedeutung sind.
Nochmals: Was macht das Leben lebenswert? Kaum einer wird diese Frage nur achselzuckend auf sich beruhen lassen. Kommt bei all diesen Fragen der christliche Glaube auch vor? Oder müsste man nicht eher fragen: Kommt der Glaube (überhaupt) noch vor? So vielfältig die individuellen Antworten sind, muss man heute nicht ehrlichkeitshalber feststellen:
In der heutigen Welt scheinen selbst die Fragen der Religionskritik verstummt zu sein. Mit ‚Gott‘ braucht man sich nicht eigens abzugeben. Es ist ‚vergebliche Liebesmüh‘, denn es hat keinen Sinn, in einer digitalisierten Welt, in der alles machbar zu sein scheint und in der es – Dank auch von KI – keinerlei Geheimnisse mehr gibt, sich noch mit so etwas wie GOTT in irgendeiner Weise abzugeben. Wozu?
So könnte man meinen und darum – auch guten Gewissens – all die Glaubens – und Gewissensfragen auf sich beruhen lassen. Geht das? Geht das tatsächlich immer und überall? Oder anders: ‚Schmuggeln‘ wir ‚Gott‘ erst dann wieder in‘ s Geschäft, wenn wir an unsere Grenzen stoßen? Und riskieren wir damit nicht die fatale Entwicklung, dass unser Glaube immer mehr an Raum verliert, weil der ‚Lückenbüßer-Gott‘ alles ist, nur eben nicht – GOTT? Fragen über Fragen. Von Karl Rahner können wir lernen, dass auch Fragen ein „Akt der Frömmigkeit“ sein kann.
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