Wann wachen wir (endlich) auf?!

Leserbrief zu „Pokern um ein Ende des Krieges in der Ukraine“ (Schweriner Volkszeitung vom 3. Januar 2026, S.2)

Es gibt Sätze von Leserbriefautoren, über die man nur staunen kann. Bei anderen Sätzen scheint einem das Blut in den Adern zu gefrieren. Ein Herr aus Schwerin meint zustimmend, dass Geschäftsinteressen für den Krieg in der Ukraine verantwortlich sind. Von einem großflächigen russischen Angriffskrieg gegen ein souveränes Land in Europa lese ich hingegen bei ihm nichts. Auch nichts von völkerrechtlichen Sicherheitsgarantien für ein souveränes Land nach dem Budapester Memorandum. Und zwar für die Abgabe der Atomwaffen der drittgrößten Atommacht der Erde, nämlich der Ukraine, in den 90iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Dafür weiß der Autor um „diejenigen, die die Kriegsgewinnler sind“. Er nennt Amerika an erster Stelle. Ganz so, als ob im Weißen Haus, in Peking oder gar im Kreml fromme Ordensfrauen oder Ordensmänner sitzen, die ein Armutsgelübde abgegeben haben. Es ist müßig, auf all die sattsam bekannten Verdrängungen, Verdrehungen und Einseitigkeiten einzugehen. Nur so viel: Die Herrschaft des Kapitals richtet sich nach keiner Himmelsrichtung.

Ein anderer Autor in diesem Beitrag weiß um die Gründe, warum Russland einen Waffenstillstand ablehnt. „Damit hätte die Ukraine Gelegenheit, ihre Streitkräfte zu formieren und aufzurüsten.“ Der Autor weiß noch mehr: „Russland will vernünftigerweise einen ordentlichen Friedensvertrag.“ Ich kann nur staunen über dieses ‚Wissen‘.  Die Abhängigkeit von den USA, vom ‚schmutzigen amerikanischen Gas‘, von den horrenden deutschen Steuergeldern, die uns dieser Krieg kostet, wird von einigen seit vielen Jahren wie ein Mantra vor sich hergetragen. Keine Rede dagegen ist von einem großangelegten russischen Angriffskrieg in Europa, von billigem russischem Gas und Öl und von Abhängigkeiten von Russland, das diese Rohstoffe gern als Waffe einsetzt – wie übrigens andere auch! Die Sprachakrobatik mancher Autoren von Leserbriefen könnte man durch Klarheit ersetzen, um zu wissen, ‚wes Geistes Kind sie sind‘: Vielleicht so: „Was geht uns die Ukraine an? Hauptsache, wir Deutsche haben es warm und bequem. Hauptsache, wir können unsere Geschäfte machen und uns bereichern auf Kosten anderer.“ Das verfängt, die Umfrageergebnisse lassen für die nächste Wahl auf allen Ebenen hoffen! Mir scheint, dieses Narrativ steckt darum auch hinter den vielen ‚Nebelkerzen‘, Unwahrheiten, Halbwahrheiten.

Hinter der Rede von „Neurussland“, von den ‚Nazis‘, die in Kiew herrschen oder von den bedrohten russischen Menschen jenseits der Grenzen der russischen Föderation. Dieses Narrativ wird vor allem vom rechten und linken Rand unserer Gesellschaft benutzt, die sich als ‚Alternative‘ aufspielen. Schlussendlich gibt es für mich nur eine einzige Frage: Wann wachen wir endlich auf und durchschauen diese „Strategie und Taktik“ (Lenin)?

Bild von Julia Schwab auf Pixabay

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