Reinhold Schneider – Glaubenszeuge oder „tragische Äolsharfe“, die zerbrach? #1

„Wochenimpuls 2026-45“

Es müsste ein Lob für alle Religionskritiker geben. Sie halten Gott im Spiel, während im Zeitalter der Indifferenz, der GLEICH-GÜLTIGKEIT, des grassierenden Agnostizismus nach dem Motto: „Man kann ja nicht wissen“, man sich selbst jeglicher klaren Entscheidung enthält und dadurch – oft ohne es zu merken – sich für die Aufgabe der Frage und oft genug auch der Hoffnung entschieden hat. Nicht so Reinhold Schneider. Er musste es geradezu herausschreien bzw. herausschreiben, dass er eben nicht mehr ‚Vater‘ zu GOTT sagen kann. Genau darin scheint sein Glaube zu bestehen – in der Mitteilung dessen, was nicht (mehr) geht. Was aber doch unbedingt gelten sollte. Das wurde ihm selbst von guten Freunden als „heimliche Rechthaberei“ vorgehalten. 

„Reinhold Schneider, diese tragische Äolsharfe, die später wirklich zerbrach und an Stelle der genauen nur noch verworrene Klänge von sich gab (<<Winter in Wien>>)…so dass sich für mich unweigerlich die Aufgabe stellte, das Gleiche mit andern Mitteln, unter anderen geschichtlichen und theologischen Vorzeichen zu wagen als dieser Einsame, Tragische, Scheiternde, der um die größten Aufträge wusste, den eigenen aber nicht ohne die heimliche Rechthaberei des überforderten Job 1 auszuleben vermochte…“ 2

Ich gestehe aufrichtig, dass mich dieses harte Urteil eines guten Freundes von Reinhold Schneider immer noch – wenn ich es lese – betroffen und traurig macht. Es wäre eine eigene Frage wert, ob es Hans Urs von Balthasar wirklich im Leben und Werk gelungen ist, was er als seine Aufgabe herausstellte, nämlich „das Gleiche mit anderen Mitteln, unter anderen geschichtlichen und theologischen Vorzeichen zu wagen.“ Doch die Betroffenheit über dieses Urteil, das einer Verurteilung gleichkommt, lässt mich Ausschau halten, ob es nicht andere Überlegungen gibt, die Reinhold Schneidermehr Gerechtigkeit widerfahren lassen. 


  1. Gemeint ist Hiob. Nach ihm ist das gleichnamige Buch Hiob benannt. Hiob steht in der Bibel für den Leidenden und Klagenden schlechthin. ↩︎
  2. Hans Urs von Balthasar „Zu seinem Werk“, Einsiedeln-Freiburg 2000, 63 f – identisch mit „Mein Werk“ – Durchblicke“, Einsiedeln-Freiburg 1990, 57 f ↩︎
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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