„Wochenimpuls 2026-39“
Ist der Glaube weltfremd? Ist er gar eine Flucht in eine Scheinwelt, weil das ‚irdische Jammertal‘ dann doch zu armselig ist? Wenn das stimmt, dann geben Christen eine sehr merkwürdige Figur ab. Sagen wir es deutlicher: Dann machen sich nicht nur Christen, sondern alle Gläubigen nur lächerlich mit ihrer sogenannten ‚Frohbotschaft‘. Doch schauen wir genauer hin:
„Wenn der Mensch einmal erfahren hat (im Zeitalter der Psychoanalyse sollte man diese Erfahrung für verbreitet halten dürfen; leider ist es nicht so), wie leicht und raffiniert der Mensch sich selbst betrügt, wie schnell ihm auch berechtigt erscheint, was von ihm begehrt ist, wie verborgen und verbogen oft die letzten Maßstäbe sind, von denen aus er tatsächlich alles bemisst und abschätzt, wie <<evident>> uns oft Dinge erscheinen , die nichts als Dressate problematischer Art sind, dann wird er vorsichtiger mit der Berufung auf das <<gute Gewissen>>. 1
Interessant ist, dass dieser sehr realistische ‚Befund‘, der durchaus eine Tendenz heutiger Mentalität kennzeichnet, von Karl Rahner bereits vor über 75 Jahren benannt worden ist. Von einem ‚Traumtänzer‘ scheint Karl Rahner wohl meilenweit entfernt zu sein. Und doch kommt ihm das Verdienst zu, das „Wagnis des Glaubens“ in einer Art formuliert zu haben, die mir auch für heute und morgen Gültigkeit beanspruchen darf. Denn:
Es wird immer Menschen geben…die im Blick auf Jesus den Gekreuzigten und Auferstandenen es wagen, sich an allen Götzen dieser Welt vorbei auf die Unbegreiflichkeit Gottes als Liebe und Erbarmen bedingungslos einzulassen. Es wird immer Menschen geben, die in diesem Glauben an Gott und Jesus Christus sich zur Kirche zusammentun, sie bilden, sie tragen und sie – aushalten.“ 2
- Karl Rahner „Gefahren im heutigen Katholizismus“, Einsiedeln 1950, S. 53 – SW 10, 127 ↩︎
- Karl Rahner „Das Alte neu sagen – Rede des Ignatius von Loyola an einen Jesuiten von heute“ – Freiburg-Heidelberg 1982, S. 78 ff ↩︎