„Wochenimpuls 2026-26“
In einem Glaubensgesprächskreis wurde über Jesu Gleichnisse, ihre Sprachkraft und ihre Bilder gesprochen. Fast wie ein Wunsch klang die Frage, ob es nicht auch heute Gleichnisse gibt, die sich an die Bilder und Beispiele Jesu anlehnen. Jemand aus unserer Gruppe sagte spontan: „Ja, klar, es gibt Gleichnisse Jesu für heute.“ Und er sprach über das Buch „Jesus in diesen Tagen“. Es stammt von Henri Boulad, einem Jesuiten, der 1931 in Alexandria, in Ägypten geboren wurde und der im Jahr 2023 in Kairo starb. Boulad war Leiter der Caritas in Ägypten, seit 1991 von Nordafrika und dem Nahen Osten sowie Vizepräsident der Welt-Caritas. Er unternahm den beachtenswerten Versuch, zwölf moderne Gleichnisse Jesu zu verfassen. Die Leitidee war: Was würde Jesus heute sagen? Heute, zu unseren Fragen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Wünschen.
Im letzten seiner Gleichnisse kommt Boulad mit ‚seinem‘ Jesus zu einer wunderbaren Erkenntnis: Wir können nie groß genug von Gott denken. Alle Gottesbilder müssen immer wieder zertrümmert werden, weil sie uns einengen, weil sie uns verführen, Gott mit einem Bild von ihm zu verwechseln. Boulads Jesus spricht:
„Viele Menschen glauben mich seit langem entthront, beseitigt und vergessen. Längst wurde mein Tod ausgerufen. Aber damit haben sie mir den größten Läuterungsdienst erwiesen. Ich war es, der sie dazu inspiriert hat, ihre falschen Götzenstatuen zu zertrümmern und ihre Tempel auszuräumen. Nein, ich will nicht mehr in diesen steinernen Kirchenbauten über vergoldeten Altären thronen und herrschen, auch nicht in anderen Heiligtümern. Vorbei! Der einzige Thron, um den ich mich bewerbe, das ist das menschliche Herz, weil dieses frei entscheidet, mich anzunehmen oder sich mir zu verweigern. Das allein hat für mich Gültigkeit.“ 1
- Henri Boulad „Jesus in diesen Tagen – zwölf moderne Gleichnisse“, Mainz 2004, S. 73 ↩︎