„Wochenimpuls 2026-37“
Vor etlichen Wochen bzw. Monaten erreichte mich ein Brief, aus dem ich kurz zitiere:
Jenes „Lügenpresse!“ diente schon lange dazu, den Menschen einzureden, nicht nur das falsche zu glauben, sondern gar nichts mehr zu glauben. Ich folge da Hannah Ahrendt mit ihrer, wie ich finde, treffenden Analyse zu Wahrheit und Lüge: “Ein Volk, das nichts mehr glauben kann, kann sich zu nichts mehr entschließen. Ihm wird nicht nur die Fähigkeit geraubt zu handeln, sondern auch die Fähigkeit zu denken und zu urteilen. Mit so einem Volk kann man machen, was man will.“
Soweit der Ausschnitt aus dem Brief eines guten Freundes. Er drückt Kummer, Sorge und Ungewissheit aus angesichts der vielen Unwägbarkeiten und Absurditäten in der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ich selbst kann nicht so denken. Doch stimmt das wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass ich nicht so denken w i l l? Und was gibt mir das Recht oder die Gewissheit, dass eine andere, eine bessere Sicht auf unsere Welt nicht nur hilfreich, sondern vor allem begründet ist?
Ich glaube, dass das ‚Abenteuer‘, das GOTT mit dem Menschen begonnen hat, nicht absurd ist, auch wenn es so scheint. Karl Rahner hilft mir, Sackgassen und Engpässe im Skeptizismus und in der um sich greifenden Beliebigkeit auszumachen. Sie zu erkennen und als das zu identifizieren, was sie sind: Reduktionsversuche, die nicht glauben können an das, was ER mit uns vorhat:
„Ist nicht dieser ewige Sündenfall in der Geschichte der Philosophie, nicht nur im Gebiet des Erkennens, der Ausdruck dessen, was im Leben des unerlösten Menschen existentiell immer aufs Neue geschieht: Gott nur das sein zu lassen, was die Welt ist, Gott zu machen nach dem Bilde des Menschen…die Möglichkeiten des Menschen… zu bemessen…nach dem, was der Mensch selbst von sich aus …zu realisieren vermag?“1
- Karl Rahner „Schriften zur Theologie III, 1962 (5. Auflage), Einsiedeln, Zürich, Köln, S. 94 ↩︎