Wochenimpuls Advent 2025-2
Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung, der Stille. Menschen früherer Zeiten gestalteten die Adventszeit als Zeit der Vorbereitung auf…? Ja, auf was eigentlich? Denn Advent heißt auch Ankunft. Wenn Herrscher sich ankündigten, dann bereitete und bereitet man sich entsprechend vor, denn man möchte ja einen guten Eindruck hinterlassen. Heute ist das sicherlich nicht viel anders als in früheren Zeiten. Der Advent – er ist die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Gottes durch Jesus in unsere Welt. Seine Worte, Gesten, sein Leben bis hin zu Kreuz und Auferstehung bezeugt eines unmissverständlich: Wir sind weder Kinder des Zufalls, noch sind wir Fehlentwicklungen im Zuge einer umfassenden Evolution. Nein, wir sind Kinder eines liebenden Vaters, der ganz sicher auch viele mütterliche Seiten hat.
Doch stimmt das? Kann das überhaupt stimmen? Viele Menschen können das nicht (mehr) glauben. Stellvertretend für viele, die stumm und wortlos über diese Frage hinweggehen, hat Reinhold Schneider (1903-1958) vor fast 70 Jahren exemplarisch diese Anfrage an den Glauben formuliert:
„Des Vaters Antlitz hat sich ganz verdunkelt; es ist die schreckliche Maske des Zerschmeißenden, des Keltertreters; ich kann eigentlich nicht ‚Vater‘ sagen.“ 1
Wie kann eine mögliche Antwort lauten? Kann es überhaupt eine Antwort darauf geben? Eine adventliche Antwort, die nicht ab-, sondern aufschließt, die die Erwartung nicht hindert und tötet, sondern sie in eine Perspektive des Verstehens, der Hoffnung und der frohen Zukunft rückt. Eine Antwort des Advents, die sich die Freude auf das Geschenk von Weihnachten nicht ausreden lässt. Vielleicht ist dies eine Antwort, die uns mitten hineinnimmt in die vorweihnachtliche Erwartung:
„Der Glaubende wird aber aus eigener Erfahrung alles Verständnis für einen ‚bekümmerten Atheisten‘ haben, für einen, der verstummt vor dem finsteren Rätsel des Daseins. Man kann ruhig mit Simone Weil sagen, dass von zwei Menschen, die beide keine echte Erfahrung Gottes gemacht haben (und das mag auch von schrecklich vielen gelten, die sich Christen nennen), derjenige, der ihn leugnet, vielleicht Gott näher ist als der, der von ihm nur in gesellschaftlichen Klischees daherredet. Ein solcher ist Gott deshalb näher, weil die unerfüllte metaphysische Sehnsucht (sofern diese wirklich da ist und man sich ihr aussetzt, sie bekümmert ausgelitten wird und nicht nochmals narzisstisch genossen wird) insgeheim mehr von Gott weiß als der sogenannte ‚Gläubige‘, der meint, Gott sei eine Frage, mit der er schon längst fertig geworden sei.“ 2
Für mich ist dies eine Botschaft des Advents, weil sie darauf hinwirkt, nicht zu meinen, Gott sei eine Frage, mit der man irgendwie fertig werden kann. Es ist Advent, wenn wir erleben und davon Zeugnis geben, dass man mit Gott nie ‚fertig‘ wird. Wer kann sich schon einer umfassenden Liebe entziehen?
- Reinhold Schneider „Winter in Wien“, Freiburg-Basel-Wien 1958, 1963, S. 110 ↩︎
- Karl Rahner „Rechenschaft des Glaubens“, Freiburg-Basel-Wien 1979, S. 143 – Aus „Gott ist keine naturwissenschaftliche Formel“ – SW 15, 392 ↩︎