Eugen Drewermann trifft Karl Rahner
„An dieser Stelle aber irrt RAHNER groß, mitsamt der katholischen Kirche, zu deren Gunsten er Theologie trieb.“ (Eugen Drewermann „Richtet nicht!“ III, 2023, 486)
Es gibt eine bedenkenswerte Kritik Eugen Drewermanns an Karl Rahner, die sich im Vorwurf äußert, dass Rahner nur abstrakt über menschliches Leben spricht, also eigentlich den konkreten Menschen nicht hinreichend wahrnimmt. Und weil er ihn so wenig konkret wahrnimmt, versperrt dieser ‚Abstraktionsgrad‘ theologischer Rede den Zugang vieler Menschen zum Anliegen der Kirche. Verkündigung, ‚Heilsvermittlung‘ fehlen gewissermaßen die konkretenAnknüpfungspunkte in der menschlichen Erfahrungswelt. Darum liegen Glaubensverkündigung und Lebensvollzug so oft und so weit auseinander, dass man gar nicht wahrnimmt, dass sie so eng zusammengehören, dass sie gar nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.
Ist diese Anfrage berechtigt? Ist sie insbesondere in Bezug auf Karl Rahner berechtigt? Und was sind die Prämissen dieser Anfrage? Um die Antwort vorwegzunehmen, die natürlich einer detaillierten Begründung bedarf, sei hierzunächst zweierlei gesagt: Erstens ist es richtig, dass nur der Bezug auf den konkreten Menschen für die kirchliche Verkündigung von Belang ist. Und zweitens scheint der Vorwurf insbesondere an Karl Rahner unbegründet, weil Eugen Drewermann die gnadentheologischen Voraussetzungen der Theologie Karl Rahners offensichtlich zu wenig angemessen zu berücksichtigen scheint. Das verwundert umso mehr als Eugen Drewermann das Anliegen KarlRahners, den Vorrang des Lebensvollzuges vor der (nachträglichen) Reflexion herauszustellen, in einfacher und überzeugender Weise darzustellen vermag:
„Die Frage bleibt, wie subjektiv reflex und ausdrücklich dieses Bekenntnis sich darbieten muss, um wahr zu sein. So wie es Leute gibt, die sich den Worten nach als Christen zu erkennen geben, obwohl in Wirklichkeit ihr Leben einem skandalösen Götzendienst gleichkommt, so wird es andere geben, die den Worten nach nicht sagen würden, dass sie Christen seien und die es doch entsprechend dem <<empirischen>> Kriterium in vollem Sinne sind. Wie viele gibt es, die wie selbstverständlich aushalten unter schwierigsten Bedingungen – an der Seite eines schwererkrankten Mannes, eines dement gewordenen Vaters, eines drogen-abhängigen Sohnes? Sie fragen nicht lange nach Begründungen und Prinzipien, doch die Treue, die sie leben, hat etwas von Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter…“
(Eugen Drewermann „Wendepunkte“, 2014, 223 – 230)
Prius der Göttlichen Zuwendung
Offensichtlich fehlt dieser Kritik das hinreichende Gespür dafür, dass der menschliche Selbst- und Lebensvollzug bei Karl Rahner immer schon ein von Gottes Gnade getragener Vollzug ist. Von dieser Prämisse geht Karl Rahner allerdings aus. Die nachfolgenden Zitate belegen diese Aussage nach meinem Dafürhalten zur Genüge:
„Ich habe jedoch von Anfang an die These vertreten, dass seine (Karl Rahners; RH) spirituellen Grunderfahrungen vielleicht stärker ideenbildend und kreativ wirkten als sozusagen die reine Philosophie. Meines Erachtens war die Philosophie für ihn immer ein Instrument der Auslegung und der Entfaltung. Aber der Ur- Impuls – war – glaube ich – genuin theologisch und spirituell…Viele Dinge hatten bei Karl Rahner eine Erfahrungsgrundlage, oft mehr als andere Einflüsse, ich denke zum Beispiel an ‚Der Christ und seine ungläubigen Verwandten‘.“
(Karl Lehmann in „Begegnungen mit Karl Rahner“ – Weggefährten erinnern sich, 2006, 100 f)
„Von daher fällt – im Sinne einiger neuerer Arbeiten zu Rahner – ein anderes Licht auf seine Werke aus der Zeit, die wir hier als ‚philosophische‘ bezeichnet haben. Macht sich nicht immer wieder – so kann man fragen – auch bereits in dieser frühen Zeit, seine ‚ignatianische Grunderfahrung“ geltend, eine Erfahrung, die wirklich existentiell vollzogen, es vielleicht gar nicht mehr erlaubt, Philosophie als eine methodisch selbständige Disziplin durchzuführen?“
(Raffelt/Verweyen, Karl Rahner 1997, 53)
„Deshalb schreibt ein Rezensent des ‚Grundkurses‘, der sich nicht zum christlichen Glauben bekennt: Rahner ‚nimmt den Christusmythus, wie er historisch ist, und versucht eine äußerst sorgfältige Auslegung. Um seine Argumente zu verstehen, nicht als bloß logische Gedanken, sondern als Botschaft über die Wirklichkeit, müsste ich den gleichen Glauben haben wie Rahner.‘ Rahner hat tatsächlich eine theologische Grundvoraussetzung, die er in seiner Theorie der transzendentalen Offenbarung plausibel zu machen versucht. Sie ist deshalb wohl eher in der Weise wirksam, dass sie den bereits Glaubenden hilft, diesen ihren Glauben besser zu verstehen.“
(Nikolaus Knoepffler „Der Begriff ‚transzendental‘ bei Karl Rahner – Zur Frage seiner Kantischen Herkunft“, 1993, 203)
Leben ohne Gnade
Welche Konsequenzen es hätte, wenn nicht von vornherein mit der personalen Zuwendung Gottes an jeden Menschen gerechnet würde, lässt Ralf Miggelbrink, ein bedeutsamer Rahner – Interpret mit wünschenswerter Klarheit erkennen:
„Ein rein erkenntnistheoretischer Transzendenzbegriff…führt nicht zu einem „genuin christlichen Verständnis personaler Nachfolge“ und wird der „personalen Begegnung“ des Menschen mit Gott nicht gerecht…Er wäre wirklich trostlos. Es geht Rahner um den ekstatischen Grundakt der Liebe als Vollendung der Vermögen von Erkennen und Wollen. Dieser ist getragen von Gott her, der eben nicht nur der unendlich Ferne ist, sondern dessen Ferne als Modus seines absoluten Naheseins da erfahren wird, wo sich menschliches Erkennen vollendet in einer Liebe, die nicht mehr nach ihrem ‚Warum‘ und ‚Wozu‘ fragt. Gottes Ferne ermöglicht eine Nähe, deren Erfahrung den qualitativen Sprung des erkennenden Menschen zum liebenden Menschen voraussetzt… Wenn das mystische Kernerlebnis des Menschen sich nur in der Praxis am geschichtlich situierten ‘Material‘ der Welt ereignen kann, dann kann es keine Gleichgültigkeit gegenüber der geschichtlich konkret erschienenen Gestalt einer absolut gelungenen Gottesbeziehung geben…Jesus ist für Rahner …zunächst der, an dem in geschichtlicher Greifbarkeit, „kategorial“ als praktisches Handeln ablesbar ist, wie ein Mensch in der Welt eine absolut gelungene Gottesbeziehung vollzieht.“
(Ralf Miggelbrink „Ekstatische Gottesliebe im tätigen Weltbezug“, 1989, 31-33)
„Gegen eine Transzendenz, die nur leere Möglichkeit ist, stellt Rahner als Quintessenz seines mystischen Denkens die Offenheit für die je größere Möglichkeit, die jedoch – und hier liegt der korrektive Charakter – aus der Erfahrung des absoluten Angekommenseins an ihrem Ziel lebt. Nicht die leere Möglichkeit einer offenen Zukunft ist der Raum, indem die Sinntotalität vom Menschen allererst zu wirken wäre, sondern der sich offenbarende Gott ist das Anwesen der Sinntotalität in absoluter Nähe, aber nicht als Wissen eines Sinnes, nicht als Dispensierung vom innerweltlichen Kampf um die Zukunft, sondern als der dort und nur dort als absoluter Trost Anwesende, wo das Engagement für die Welt radikal ernst genommen wird in der ekstatischen Liebe. Das ‘Ja‘ zur innerweltlichen Entwicklung und die ihm korrespondierende, aus der mystischen Dispensierung vom krampfhaften Abrundenwollen der Welt in einer immanenten Sinnhaftigkeit…lebende permanente Destruktion sich verabsolutierender partikularer Sinnkonstruktionen sind die ethisch-politische Dimension der mystischen Gotteserfahrung. Sie verteidigt den Wahrheitsanspruch der Utopie gegen deren lügnerische Identifikation mit dem Bestehenden und wendet sich zugleich gegen die Despotie der Utopie… Die ekstatische Liebe ereignet sich als Nächstenliebe, als lassende Anerkennung des anderen als solchen und ist so widerständig gegen die erklärungswissenschaftliche Paralyse menschlicher Subjekthaftigkeit.“
(„Ekstatische Gottesliebe“, 44 f)
Anthropologie – Möglichkeiten und Grenzen
Rahner sah jegliche Anthropologie realistisch und darum eben auch in all ihrer Ambivalenz und Begrenztheit. Darum weigerte er sich auch beharrlich, einen Trennstrich zwischen ‚theoretischer und praktischer Vernunft‘ zu ziehen. Ja, fast scheint es, als ob Aussagen aus Karl Rahners frühem „Gebet der Schuld“ bereits all das vorwegnehmen, von dem Eugen Drewermann meint, dass es bei Karl Rahner nicht zu finden ist.
„Wer will eindeutig sagen, was eigentlich das >>Eigentliche<<in seinem armen zerfallenen Herzen, er selbst ist: Die Sehnsucht nach der stärkeren Liebe Gottes oder der uneingestandene, bitter – böse Groll über die ungemessenen Ansprüche dieser Liebe? Ach, wir könnten doch nur eindeutig reden, wenn wir so eindeutig wären, dass wir die wahre Eindeutigkeit unserer Person, die es gibt und die Gott sieht, auch greifen könnten. Aber eben dies können wir grundsätzlich nicht. Wer weiß, dass die sublimste Güte gerade die Voraussetzung einer sie mit der Schnelligkeit eines Blitzes pervertierenden Bosheit sein kann, dass das Paradies der Ort des tiefsten Falles ist, dass man Gottes Boten ablehnen kann, um Gott einen Dienst zu erweisen, das Zeugnis seines Sohnes wie eine Gotteslästerung hören kann – wird der sagen vor Gott: Ich bin gerechtfertigt vor Dir?… Oder wird der Mensch sagen (auch wenn er sich keiner Schuld bewusst ist): Ich bin ein Sünder? Wie anders soll er kurz und einfach seine Wahrheit über sich zusammenfassen als so, wie anders sagen, was er (abzüglich der Gnade Gottes, die immer Gottes Gnade bleibt) an sich ist? Immer ist er der von Gott Gehaltene, der von Gott Gerettete, der durch sich Verlorene, der sich selbst Undurchschaubare, der von Gott allein Richtbare. Wie anders könnte er sich als dieser bekennen denn durch das Wort Sünder? Herr, Du weißt alles: mich, den Sünder- und auch die Liebe, die Du in mir wirkst.“
(Karl Rahner SW 7, 105)
Es scheint tatsächlich so zu sein, so dass hier kein wirklicher Dissens in der ‚Sache‘ vorliegt. Das belegen auch die nachfolgenden Aussagen eindrucksvoll:
„Für die konkrete Frage danach, wie Menschen Subjekte ihres Lebens werden können, ist jedoch der Schritt von einer letzten Möglichkeitsbedingung zur Frage nach den konkreten Möglichkeitsbedingungen notwendig, oder anders gesagt: ist es notwendig, die konkreten Gefährdungen von Subjekthaftigkeit zu realisieren, um von dort her nach konkreten Hilfen zu fragen, deren Menschen bedürfen, um Subjekt werden zu können.“
(Miggelbrink, Ekstatische Gottesliebe, 72)
„Wenn es eine Annahme der Gnade Gottes nur im Streben nach der größeren Ehre Gottes gibt, dann gibt es Heil nur in der Arbeit für das Subjektseinkönnen aller, die im praktischen Interesse aufruht auf jedweder Erkenntnis, die dem Ziele dient, …Rahners Konzeption …setzt akthaft handlungsfähige Subjekte voraus.“
(Miggelbrink, Ekstatische Gottesliebe, 72f)
„Natürlich ist die dabei vorauszusetzende Freiheit des Menschen faktisch durch die kontingenten Faktoren, die ein Menschenleben unabhängig von seiner subjekthaften Verantwortlichkeit bestimmen, eingeschränkt, so dass das Optimum entwickelter intellektueller und praktischer Leistungsfähigkeit bei den einzelnen sehr verschieden ausfallen wird. Die von Rahner angenommene theoretische Unlösbarkeit der Freiheit… bedeutet für diesen Zusammenhang die Notwendigkeit, alle menschlichen Dispositionen an sich selbst und an anderen für bildbar und optimierbar zu halten.“
(Miggelbrink, Ekstatische Gottesliebe, 237)
Der Schritt des Glaubens
Bei aller „Notwendigkeit, alle menschlichen Dispositionen an sich selbst und an anderen für bildbar und optimierbar zu halten“, muss allerdings – und das mit Nachdruck – festgehalten werden: Der Glaube ist zuerst und zuletzt Geschenk. Eines, das nicht erarbeitet werden kann und erarbeitet werden muss. Eines das uns allerdings von GOTT her die Möglichkeit eröffnet für den „Glauben inmitten der Welt“ (Karl Rahner) (mit) zu arbeiten, an der Ausbreitung des „Reiches Gottes“ schon jetzt, im Hier und Heute mitzuwirken. Diese großartige Berufung erfordert jedoch die„Öffnung des Herzens“ (Karl Rahner), das – Sich – Bereithalten und Sich- Bereitmachen für Gottes Anruf, damit der„Schritt des Glaubens“ in SEINER Gnade gelingt:
Das ist die Chance der Angst, dass der Mensch in ihr Gott begegnet. In dem Augenblick, da ihm alles, woran er unmittelbar im Endlichen hing, in der Angst aus den Händen fällt, ist ihm die Möglichkeit gegeben, zu entdecken, wovon er wirklich lebt. Dies ist der Schritt des Glaubens: dass ich mich selbst, meine…nicht – notwendige, überflüssige Existenz als geschaffen, vom Unendlichen her als bejaht, gewollt, berechtigt entdecken kann und dass diese Entdeckung es ermöglicht, mich selbst zu akzeptieren…Die Erfahrung, dass ich mich bejahen kann, weil Gott mein Dasein im Voraus bejaht hat, dass ich den Grund und die Rechtfertigung meines Daseins nicht zu erschaffen brauche, weil es diese Grundlage meines Daseins bereits gibt…Somit gelangen wir zu einer Art existentieller Erfahrungsabfolge der Selbstwahrnehmung des Menschen, indem zwar der Glaube der Erkenntnis der Verzweiflung des menschlichen Daseins in der Sünde vorausgeht, aber die Wirklichkeit, die der Glaube entdeckt, immer schon der Sünde vorausgeht, so dass die Sünde im Glauben als Sündenfall erscheinen muss, – nicht im Sinne eines historischen, sondern wesenhaften Abfalls der menschlichen Freiheit.“
(Eugen Drewermann „Strukturen des Bösen“, III, 1988, 546-551)
Karl Rahner beschreibt diesen Schritt, dieses Wagnis des Glaubens, ebenfalls mit eindringlichen Worten:
„Man kann es eigentlich niemandem vormachen. Man kann niemanden zwingen, die Planke loszulassen, an der der Mensch sich krampfhaft festhält, obwohl er weiß, dass sie ihn nicht retten kann, die Planke der verzweifelten Selbstbehauptung und der sich selbstbehauptenden Verzweiflung…Man kann nur immer wieder sagen: Dein angebliches Nichtkönnen…geht gar nicht in Wahrheit als eine bloße Tatsache deinem Wollen voraus…Warum will dein Knie, deine Hand, dein Mund nicht sprechen, was dein Herz vermeintlich nicht kann? Weil es unredlich wäre? Aber ist es unredlich, so zu tun mit dem Leib, wenn das Herz sich sehnt, zu können, was es vermeintlich noch nicht vermag? Sind wir uns aber nicht einig, dass dein Herz ersehnen soll, was es – wie du sagst – nicht kann, glauben an den Sinn, die Freiheit, das Glück, die Weite, die lichte Wahrheit, an – Gott? Wie könntest du, was in dir ist, ausdrücken mit dem bitteren Wort: Ich kann nicht, ohne zugleich einzugestehen, dass es gut wäre, ersehnt und verpflichtend ist, zu können? Ich meine, es bleibt dabei: Gnade kommt in der Gestalt deiner freien Tat; und es ist nie so, dass du nur warten dürftest. Eines kannst du immer: wenigstens auf den Knien und mit dem Mund in die ohnmächtige, grenzenlose Finsternis deiner toten Herzenswüste hineinrufen, dass du nach Gott verlangst…“
(SW 7, 47 f)
In seinen frühen Gebetsbetrachtungen nimmt Karl Rahner nicht nur Drewermanns Grundanliegen der Angst explizit auf. In nuce formuliert er schon hier die Soteriologie des Kreuzes und der ‚Karsamstagstheologie‘ Hans Urs von Balthasars, wenn er von der „tödlichen Ohnmacht“ des Sohnes Gottes spricht, der schon alles „überwunden‘ hat.
„Kümmere dich nicht um deine Angst, die versichert sein will, bevor sie loslässt, bevor sie betet. Wenn du meinst, dein Herz könne nicht beten, dann bete mit dem Mund, knie, falte die Hände, sprich laut: Ich glaube, hilf meinem Unglauben; ich bin ohnmächtig, blind, tot, aber du bist mächtig, Licht und Leben und hast mich schon längst in der tödlichen Ohnmacht Deines Sohnes überwunden.“
(SW 7, 47 f)
Geschenk des Glaubens
Mögen zwei theologische ‚Summenformeln‘ diese Überlegungen abschließen oder besser abrunden. Denn sie zeigen im Letzten, worauf es im Glauben ankommt. Einem „Glauben, der die Erde liebt“.
„Das Tiefste am Christentum ist die Liebe Gottes zur Erde. Dass Gott in seinem Himmel reich ist, wissen andere Religionen auch. Dass er mit seinen Geschöpfen zusammen arm sein wollte, dass er in seinem Himmel an seiner Welt leiden wollte, ja gelitten hat und durch seine Menschwerdung sich instand setzte, dies sein Leiden der Liebe seinen Geschöpfen zu beweisen: das ist das Unerhörte bisher.“
(Hans Urs von Balthasar „Das Christentum und die Weltreligionen – ein Durchblick“, Freiburg 1989, 17)
„Für mich wäre aller noch so fromme Jesuanismus, alles Engagement für Gerechtigkeit und Liebe in der Welt, aller Humanismus, der Gott für den Menschen verbrauchen will und den Menschen nicht in den Abgrund Gottes hineinstürzt, Religion eines unbegreiflich bescheidenen Humanismus, der uns einfach von der ungeheuerlichen Gewalt der Liebe Gottes, in der Gott wirklich selber aus sich gerät, verboten ist. Wir können nur entweder alles, nämlich Gott selbst in seiner reinen Gottheit wollen, oder wir sind verdammt, d.h. begraben in dem Kerker unserer Endlichkeit“.“
(Karl Rahner „Erfahrungen eines katholischen Theologen“, in K. Lehmann (HG.) „Vor dem Geheimnis Gottes den Menschen verstehen“, Freiburg i.Br.1984, 105-119, 109f)