Erlöster müssten die Erlösten aussehen (Nietzsche)

„Wochenimpuls 2026-13“

Bei aller Selbstkritik, die uns nicht erst Nietzsche lehren muss, dass die Erlösten doch bitte endlich erlöster aussehen sollten, damit man ihnen ihren Erlöser ‚abkauft‘, bei aller Selbstkritik sollten wir aber auch unseren Minderwertigkeitskomplex angesichts der vielen modernen Mythen abstreifen. Die vielen Stories der modernen Heilslehren sind doch gar nicht so neu, wie sie oftmals vorgetragen werden. Den Wunsch: „Wir möchten sein, wie Gott“ – den kann man schon auf den ersten Seiten der Bibel finden. Und einen Turm, so hoch, dass er an den Himmel ragt – den sprichwörtlichen Sitz der ‚Götter‘ – den wollte und will man nicht erst in unseren Tagen bauen. Und auch der ‚Tanz ums goldene Kalb‘ – er ist keine neuzeitliche Entdeckung. Dieser Tanz wurde und wird immer wieder aufgeführt. Und es geht auch nicht darum, das sprichwörtliche Wasser in den Wein der Lust und des Frohsinns zu geben, wenn man auf die Endlichkeit des eigenen, des persönlichen Lebens hinweist. Wenn man zu bedenken gibt, dass man selbst wohl nicht mehr das „Himmelreich auf Erden“ erleben wird. 

„Der Christ hat doch einfach und schlicht recht, wenn er darauf hinweist, dass er sie nicht mehr erlebt und dass er die Frage seines Daseins nicht dadurch als gelöst anerkennen kann, dass sie später in anderen gelöst wird.“ 1

Auch die imaginäre, vom Menschen erträumte Zukunft kann ein Moloch sein, einer, der alles verschlingt und nichts mehr herausgibt. Einer, der Opfer verlangt. Was hat man in der kommunistischen Ära nicht alles ersonnen, nur um diesen Traum als Rechtfertigung zu nutzen für eigene, zumeist egoistische Machtambitionen. Und heute? Was unternimmt man nicht alles, um am Markt der ‚Platzhirsch‘ zu sein. Da ist kein Opfer zu groß, mitunter auch keine Lüge und keine Manipulation. Die Botschaft des Glaubens bewahrheitet sich auch und gerade darin, dass sie einen ‚Ernüchterungsdienst‘ leistet. 


  1. ebenda ↩︎
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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