„Wochenimpuls 2026-07“
Sind wir wirklich orientierungslos? Mir fällt ein Briefwechsel mit N. ein, den ich in Ausschnitten wiedergebe:
Lieber N…
Weil Du Gerald Hüther im Podcast hörst, habe ich sein Buch „Evolution der Liebe“ noch einmal gelesen. Dieser Professor für Neurobiologie in Göttingen eröffnet mit dem Untertitel „Was …die Darwinisten nicht wahrhaben wollen.“, eine wunderbare, weil hoffnungsvolle Perspektive und ‚Lesehilfe‘, die auch von anderen Großen geteilt wird (u.a. Teilhard de Chardin und Hoimar von Ditfurth). Solidarität und Empathie sind – entgegen vielleicht dem, was uns der Augenschein ‚weißmachen möchte – tatsächlich evolutive Vorteile. (siehe auch Vorteile der ‚Schwarmintelligenz‘ im Tierreich, die die stärksten Egoismen zu besiegen in der Lage ist.) Übertragen auf KI (Künstliche Intelligenz) kann das doch nur heißen: Angst ist letztlich unbegründet, weil sich auch in der ‚Evolution‘ der KI – so die begründete Annahme aus den bisherigen evolutiven Erfahrungen – Liebe und Fürsorge, Vertrauen und Verstehen (auch dem Menschen gegenüber) als evolutionärer Vorteil erweisen wird. Hüther würde sagen, dass das ein „Darwinist nicht wahrhaben will bzw. kann. Genau darin liegt der Pessimismus des Darwinisten, der auf einem Denkfehler beruht.
Mir scheint, dass heute das Recht des Stärkeren im Begriff ist – auf vielen Ebenen – die Stärke des Rechtes abzulösen oder zu ersetzen. Von daher sind Angst und Sorgen nur allzu berechtigt. Doch mir scheint auch – auch aus den Ergebnissen der Evolutionsforschung – dass diese,erlebbaren ‚taktischen Vorteile‘, keine Chance auf Nachhaltigkeit haben. Wenn ich auf das Leben Jesu schaue, ist es – rein historisch betrachtet – als ein grandioses Scheitern zu beschreiben. Und doch haben Menschen in SEINER Nachfolge eine Orientierung für ihr Leben gefunden. Vielleicht sollten wir dieses Experiment einfach auch wagen. Dann wird man sehen, ob es trägt.
Rudolf Hubert
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash