Ein Einwand und ein Missverständnis

„Wochenimpuls 2026-18“

Die „Gestimmtheit des Beters“. Noch ist der Nachweis nicht erbracht für die Behauptung, dass Glauben und Leben untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn sie beziehungslos auseinanderfallen, ist allerdings – das ist heute (und nicht nur heute!) ‚mit Händen zu greifen‘ – ein anderer Nachweis erbracht. Nämlich der, dass Glaube und Religion irrelevant sind. Man könnte formelhaft formulieren: Wenn Glaube missbraucht wird, um dem Leben zu entfliehen, dann kann er im Leben weder vorkommen noch irgendeine konstruktive Rolle spielen. 

Von Eugen Drewermann können wir in dieser Hinsicht vieles lernen, weil er Fragen formuliert und Aussagen trifft, die oft ‚mitten ins Herz treffen.‘ So stellt er am Ende seines Spätwerkes „Wendepunkte“ genau jene Frage, die allen Irritationen, Anschuldigungen und Verdächtigungen gegenüber Glauben und Religion zugrunde liegt:  

„Ist aber all das nicht zu <<subjektiv>>, zu <<psychologisch>> und zu wenig    <<wirklich>>?  

Und wie sieht seine Antwort aus? 

„Ein solcher Einwand zieht sich quer durch die gesamte Theologiegeschichte, und er beruht an jeder Stelle auf dem gleichen Missverständnis: Nichts in der Welt, nichts in der Seele eines Menschen ist mit Gott identisch; doch ganz so wie das Aufblühen einer Blume nicht möglich wäre ohne Sonnenlicht, so wenig ist …Liebe möglich ohne Gott.“

„Wie das Aufblühen einer Blume nicht möglich wäre ohne Sonnenlicht, so wenig ist Liebe möglich ohne Gott.“ Allein dieser Satz ist es wert, ein ganzes Leben lang bedacht zu werden. Ich kenne niemanden, der ohne Liebe leben kann.  Und nicht zufällig heißt ein Buchtitel von Eugen Drewermann: „Wir glauben, weil wir lieben“ und ein anderer: „Nur die Liebe lehrt uns glauben“. Und ein anderer große Theologe des 20. Jahrhunderts, Hans Urs von Balthasar (1905-1988), überschreibt eine seiner wichtigsten Kleinschriften mit dem Titel: „Glaubhaft ist nur Liebe“. 


Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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