„Wochenimpuls 2026-04“
Wir haben nachgedacht über das Wesen des Menschen, das so fragil erscheint, so zweideutig, so ungesichert. Wir suchen und wir brauchen eine Antwort, wenn wir bereit sind, zu fragen. Wenn wir uns nicht davonlaufen, sondern uns aushalten. Zu fragen, wer wir sind, warum wir sind, warum wir so sind, wie wir sind. Es gibt viele Antworten heute auf diese Fragen. Ein Antwortversuch besteht darin, diese Frage einfach stehen zu lassen. Sie ist nicht zu beantworten. Fertig. Basta!
Ein anderer Antwortversuch sieht uns in Konkurrenz zur Künstlichen Existenz und gibt vor, dass wir diesen ‚Wettlauf‘ bereits verloren haben. Ein weiterer sieht uns in allem gefährdet und determiniert durch psychologische und soziologische Prozesse oder versteht menschlichen Geist lediglich als ‚Vehikel‘ der Gene.
All diesen Reduktionsversuchen steht der Glaube gegenüber. Er begründet eine Hoffnungsperspektive, die alle anderen Versuche überholt. Mir will scheinen, dass unsere Zeit – vielleicht wie keine andere Epoche zuvor – nach diesem Wort Ausschau hält, nach diesem Wort sucht, auf dieses Wort angewiesen ist. Und doch: Es bleibt die große Frage, ob unser Glaube womöglich mit der Konkretheit des Lebens nichts oder nur sehr wenig (noch) zu tun hat.
„Unsere eigene Erfahrung ist durch diesen Glauben interpretiert, verdeutlicht, genauer ausgelegt…Wenn man zu positivistisch… hier arbeiten würde, dann hätten die Menschen von heute mindesten den Eindruck, man erzähle ihnen irgendeine geheimnisvolle Sache, die möglicherweise ganz klar und richtig ist, mit der sie in der Konkretheit ihres Lebens aber nichts zu tun haben.“
Karl Rahner „Einübung priesterlicher Existenz“, Freiburg-Basel-Wien 1970, S. 274 f
Rudolf Hubert
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