Zum SVZ-Beitrag vom 22.10.2026, Seite 2 unter dem Titel: „Russland zu Dreiertreffen mit USA und Ukraine bereit.“
Es sind Gefühle der Wut, Ohnmacht und Trauer, die bei mir aufkommen angesichts dieses Artikels. Wie hilfreich ist es – auch für mich selbst – diese Gefühle in einem Leserbrief auszudrücken.
Denn was braucht‘s denn noch an Aufklärung?!
Das möchte man all jenen zurufen, die von deutschem Steuergeld reden, das in der Ukraine verschwendet wird, statt von Solidarität und notwendiger – auch im eigenen Interesse – Hilfeleistung; die von der NATO-Osterweiterung sprechen anstelle der Angst kleinerer Staaten vor russischem Imperialismus, die das Narrativ der „Entnazifizierung des Kiewer Regimes“ ebenso unbedarft nachsprechen wie das von den „berechtigten Sicherheitsinteressen der russischen Föderation“.
Bedrohte Supermächte?
So, als ob Supermächte wie Russland, USA oder China erpressbar sind oder militärisch bedroht werden könnten. Ein Blick auf die Landkarte mag hilfreich sein in Bezug auf die Einschätzung, ob und in welchem Ausmaß Litauen oder Lettland, Schweden, Finnland oder Estland Russland bedrohen könnten! All diese russischen Propagandalügen, deren Saat bei vielen, auch in Deutschland, aufgeht, sind genauso dreist, wie die Behauptung, dass im Gebiet Donezk eh‘ immer nur Russen wohnten.
Die einzige, an der Realität orientierte Antwort auf die Frage, worum es in dem brutalen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geht, gibt der Sprecher der Regierung des Aggressors höchstselbst, denn im o.g. Beitrag ist nachzulesen: „Peskow sagte im Interview des russischen Staatsfernsehens erneut, dass es Sache der ukrainischen Seite sei, die notwendigen Schritte für einen Frieden zu ergreifen. Russland fordert seit langem als Bedingung für einen Waffenstillstand, dass sich die Ukraine komplett aus dem Gebiet Donezk zurückzieht.“
Russland fordert seit langem?
Man muss die Worte auf sich wirken lassen: „Russland fordert seit langem.“ Man gibt sich keine Mühe mehr, die „seit langem“ gehegten Eroberungspläne zu vertuschen oder zu kaschieren. Warum auch? Man gibt unumwunden zu, dass dies „seit langem“ die Kriegsziele Russlands sind, die man von höchster politischer Stelle „erneut“ in Erinnerung ruft. Angesichts der „Waffenbrüderschaft“ zwischen China, Russland, Nordkorea, Iran und den USA braucht man auf nichts und niemanden mehr Rücksicht zu nehmen. Der Krieg des Aggressors zielt ohnehin verstärkt auf die Zivilbevölkerung. Irgendwann – so das Kalkül – werden die Menschen aufgeben. Und bei all dem geht es auch nicht um Frieden. Es geht lediglich um einen temporären Waffenstillstand. Und nur dann wird er – großzügig, wie sich der Aggressor gibt – in Aussicht gestellt, wenn – ja, wenn ein souveräner Staat, dem territoriale Integrität, u.a. im Budapester Memorandum völkerrechtlich zugesichert wurde, freiwillig Teile seines Staatsgebietes aufgibt. Mir fällt angesichts dessennur noch ein brutales Sprichwort ein für dieses imperialistische Gehabe: „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich dir den Schädel ein.“
Wie bitte?
Die Frage bleibt schlussendlich, wozu laut diesem Artikel angeblich „Russland bereit ist“: All jenen, die von notwendigen diplomatischen Bemühungen reden, will ich gar nicht widersprechen. Aber: Kann man die Wahrheit dauerhaft und beharrlich ignorieren? Nach all den vielen propagandistischen ‚Nebelkerzen‘ nennt mittlerweile der Aggressor seine Ziele, die er von Anfang an („seit langem“) verfolgte: Raub und Landnahme. Es geht um Bodenschätze, seltene Erden, um Geschäfte, um Profit! Der Aggressor kann es sich leisten, allen die Wahrheit ungeschminkt zu sagen, denn vor wem sollte er sich fürchten? Müssten nicht(endlich!) sämtliche diplomatischen Bemühungen darauf abzielen, dem Aggressor deutlich zu machen, dass das Völkerrecht gilt? Und zwar uneingeschränkt und für jeden Staat auf dieser Erde?
Beitragsbild (Hintergrund) von Yogendra Singh auf Pixabay