„Wochenimpuls 2026-43“
Im Beitrag von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. (1927 – 2022) finden wir eine beeindruckende Schilderung des ‚Gottesverlustes‘.
„Vielleicht erinnern Sie sich, dass in den 50iger Jahren allenthalben ein Drama von Samuel Beckett Aufsehen erregte: >>Warten auf Godot<<. Das ganze Werk Becketts, das damit sich seinen Weg auch in Deutschland bahnte, ist ein bestürzender Ausdruck für die Verzweiflung des modernen Menschen.“
Das scheint zunächst eine Behauptung zu sein, die einer näheren Begründung bedarf. Doch sie folgt, wenn man so will, ‚auf dem Fuße‘, denn Ratzinger schreibt weiter, warum es zu dieser Verzweiflung gekommen ist, ja kommen musste:
„Der Dichter zeigt den Menschen in der Auflösung seiner selbst. Das Ich gibt es eigentlich gar nicht, sondern nur eine Abfolge von Zuständen.“
Nun könnte man meinen, dass diese resignative Grundstimmung doch kaum etwas mit der heutigen Zeit zu tun hat. Doch schauen wir genauer hin. Ein Beckett nahestehender Dichter, Eugene Ionesco bringt es ziemlich drastisch auf den Punkt, wenn er in einem Gespräch Ende 1975 sagt:
„Das Werk Samuel Becketts ist eine unaufhörliche Anrufung Gottes, genau gesagt ein SOS… Eines der wichtigsten Bücher Becketts heißt „Der Unnennbare“. Der Unnennbare ist Gott…Gott ist da. Gott ist! Er existiert nicht, er ist. Er existiert durch Jesus Christus.“
Soweit der einfühlsame Kommentar eines Dichterfreundes, den Ratzinger wie folgt kommentiert:
„Aus dem Abgrund der letzten Not des von Gott weggelaufenen Menschen bricht hier der verzweifelte Schrei nach Gott wieder hervor, auch wenn er immer wieder versickert in der Angst, ohne Antwort zu bleiben.“ 1
Heute, im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung, scheint fast alles machbar zu sein. Doch was ist es, wenn alles buchstäblich GLEICH-GÜLTIG wird? Meldet da nicht- 100 Jahre später und in anderem Gewand- all das sich zurück, das wir als Existentialismus bezeichnen? Martin Heidegger (1889 – 1976) sprach von der „Herrschaft des Man“. Was bleibt, wenn alles machbar ist, wenn man alles weiß? Wenn man aber die Frage des Warums oder Wozu weder stellt noch beantworten kann? Karl Rahner würde von der „Öffnung des Herzens“ sprechen. Eine Aufgabe, die uns heute in besonderer Weise aufgetragen ist, das „verschüttete Herz“ zu öffnen. Geht das ohne IHN, den GOTT, der uns Mutter und Vater ist?
- „Sich auf Gott verlassen“ – Herausgegeben von Rudolf Walter, Freiburg-Basel-Wien 1980, S. 64 f ↩︎