Nur wenn wir den Sprung wagen

„Wochenimpuls 2026-36“

„Selber Prägende zu werden“ – Hans Urs von Balthasar plädiert also in all seinen Überlegungen – und zwar in aller wünschenswerten Klarheit – dafür, dass wir uns selbst etwas zutrauen. Und zwar im Verhältnis zum Mitmenschen, zur Gesellschaft. Dass wir die ‚Pro-Existenz‘ leben und einsetzen. Im Wissen, dass unserem Sein ein grundsätzliches JA vorgegeben ist, sind Ressentiments, Angst und Unsicherheit überwunden. Wir leben – mit all unseren Grenzen, noch mehr mit unseren Möglichkeiten und Chancen, weil wir geliebt sind. Das ist die Glaubensbotschaft, die Frohe Botschaft: Keine ‚verdammte Existenz‘, sondern eine ‚verdankte Existenz‘. Im Mit- und Füreinander schafft sich das Menschsein – die „Fähigkeit, menschlicher zu leben“ – eine lebenswerte und liebenswerte Gestalt, einen Ausdruck, der gültig ist und gültig bleibt.

Es bleibt dabei: Es braucht bei all dem Mut. Den „Mut zur Tugend“. Doch wir brauchen diesen Mut nicht heroisch als ‚Einzelkämpfer‘ vollbringen. Denn wir leben nicht als Monade, als ‚Einsiedlerkrebs‘. Als Menschen leben wir in Gemeinschaft. Und damit kommt auch der kirchliche Charakter dieses Mutes zum Vorschein, wie ihn Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) beschreibt:  

„Nur wenn wir den Sprung wagen in den gemeinsamen Glauben der ganzen Kirche, wenn wir wagen, in das vorgegebene Wort einzutreten, dann können wir allmählich mitreden, mithören und so auch anderen das Ohr öffnen für die Geheimnisse Gottes. Der Verstand allein, so wichtig er ist – auch der Verstand eines Jahrzehnts oder eines Jahrhunderts -, ist zu klein für Gott. Das Wort Gottes braucht mehr. Es braucht den Ausbruch aus der Kleinheit unserer Welt, den Mut, sich dem Großen des Glaubens aller Jahrhunderte mit dem Herzen anzuvertrauen.“1


  1. Joseph Ratzinger „Berührt vom Unsichtbaren“, S. 194- Freiburg-Basel-Wien 2000; ursprünglich aus „Heiligenpredigten“ – Donauwörth, S.46 ↩︎
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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