Heute sind wir arm genug geworden #2

„Wochenimpuls 2026-33“

Gewiss, man könnte den Vorwurf erheben, dass das Ressentiment, die Resignation falsch sind. Man könnte verweisen auf den Siegeszug menschlicher Fähigkeiten in der Neuzeit, besonders auch im 21. Jahrhundert. Man könnte auf die Digitalisierung hinweisen und auf KI, wobei man die Grenzen und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz noch nicht einmal im Ansatz abzuschätzen vermag. Das alles sei zugegeben. Doch die Frage sei erlaubt, ob diese Verweise nicht nur ‚Beruhigungspillen‘ sind angesichts der Gräuel und der offensichtlichen Politikverdrossenheit. Sie kommt doch in erster Linie daher, dass Teilhabe am Leben in der Gesellschaft von vielen heute als Farce erlebt wird, als ‚absurdes Theater‘, weil ‚die da oben‘ eh‘ nicht wissen, wie es ‚denen, da unten‘ wirklich geht. „Die Frösche legen den eigenen Sumpf niemals trocken“ – so das bittere Fazit von Menschen unserer Zeit, die fragwürdigen politischen ‚Alternativen‘ vertrauen.

Nicht, weil sie so gut, so verlässlich und so hilfreich sind. Nein, sondern weil diejenigen, die derzeit die Politik machen, sie in deren Augen schlecht machen. Weil sie von starken Interessengruppen abhängig sind und weil sie das, was nötig ist an Reformwillen in der Politik nicht oder nicht genügend aufbringen.  

Nein, ich glaube, der Traum vom ewigen Frieden und vom unaufhaltsamen, menschengemachten Fortschritt ist endgültig ausgeträumt. Das ist keine Resignation, sondern Realismus. Denn die Frage bleibt, woher dann Hoffnung und Zuversicht (noch) kommen sollen bzw. kommen können. 

Ich danke Balthasar allerdings auch für die präzise gestellte Frage, ob wir wirklich „arm genug“ sind, „dass unsere innere Leere sich mit Gottes Gnade verwandeln kann“. Denn einzig darauf kommt es an, wenn wir uns mühen, „menschlicher zu leben“: Dass wir tatsächlich arm genug sind, damit unsere leeren Hände gefüllt werden können. Nur so kann Hoffnung aufkeimen.  Dann nämlich, wenn wir uns zunächst unseres Angewiesenseins, der ‚Armut‘, uns bewusstwerden und uns nicht länger darüber hinwegtäuschen oder gar hinweglügen.  

Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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