Von der Fähigkeit, menschlicher zu leben

„Wochenimpuls 2026-31“

Es gibt ein wunderbares Buch, das mich seit vielen Jahren begleitet. Es erschien bereits 1979. Schon sein Titel ist einladend: „Mut zur Tugend“. Der Untertitel deutet an, was gemeint ist mit diesem „Mut zur Tugend“. Es geht um nichtsweniger als um die „Fähigkeit, menschlicher zu leben.“ Herausgegeben wurde es von zwei herausragenden Theologen im 20. Jahrhundert, Karl Rahner (1904-1984) und Bernhard Welte (1906-1983) Gewidmet ist es einem gemeinsamenFreund und langjährigen Cheflektor eines renommierten Verlages, Robert Scherer (1904-1997) In diesem Buch gibt es viele Beiträge, die sich diesem großen Thema widmen. Namen tauchen auf, die in der Geisteswelt des 20. Jahrhunderts große Bedeutung hatten, wie beispielsweise Walter Dirks (1901-1977), Franz – Xaver Kaufmann (1932-2024) oder Karl Lehmann (1936-2018).  

Ich nehme dieses Buch immer wieder zur Hand, weil seinen verschiedenen Beiträgen allesamt eine prophetische Qualität zu eigen ist. Es scheint geradezu so zu sein, dass die einzelnen Beiträge all jene Fragen aufgreifen, über die wir uns heute im 21. Jahrhundert gewissermaßen den Kopf ‚zermartern‘. In einer Zeit, in der sämtliche Gewissheiten zu zerbrechen scheinen, in der kaum ein Wert noch Bestand zu haben scheint, in der die Fragen von Krieg und Frieden, von Hoffnung und Trauer, von Fortschritt und Apokalypse in einer Dringlichkeit uns zusetzen, sind solche Hilfestellungen in ihrem Wert kaum zu überschätzen. Orientierungslosigkeit, Angst und Ohnmacht wechseln sich ab bzw. stehen in kaum zu überbrückendem Kontrast zu Allmachtsfantasien mächtiger Lobbyisten und deren Handlanger.

In vielen Gesprächen, in der Kunst und auf digitalen und analogen Foren werden Disharmonien erkennbar. Oft ohne jeden Zusammenhang. Was soll da noch die Frage nach der „Fähigkeit, menschlicher zu leben.“ Ist das alles nicht Zeitverschwendung, vergebliche Liebesmüh‘? Viele Menschen fragen (sich), laut oder leise: Was soll das alles? Sie stellen traurig und resigniert fest: „Ich kann ja doch nichts machen.“ Für Viele scheint alles nur ein einziges großes Spiel zu sein, in dem sie keine Rolle spielen oder ihre Rolle nicht finden können. 

Ich lade sie ein, anhand der beiden Beiträge aus diesem Buch, dem von Hans – Urs von Balthasar und dem von Karl Rahner, der Frage nach dem Menschsein nachzugehen. Warum? Weil ich glaube, dass es sich – auch wenn der Augenschein dagegenspricht – es sich lohnt, sich auf diese Reise einzulassen. 

Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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