‚Streitkultur‘?!
Seit geraumer Zeit treibt mich folgender Umstand um: Wir leben in einer sehr komplexen gesellschaftlichen Wirklichkeit. Unser demokratisches Gemeinwesen kennt viele – oft mit- und gegeneinander konkurrierende gesellschaftlichen Kräfte und Prozesse, die nicht einfach unter den sprichwörtlichen‚ einen Hut zu bringen‘ sind. Die – oft mühsame – Suche nach Kompromissen wird nicht selten als hoffnungsloser Streit wahrgenommen. Gepaart mit der oft lauthals vorgetragenen und medial unterstützten Unterstellung, dass ‚die da oben‘ ohnehin nichts (mehr) verstehen von den Sorgen und Nöten des ‚kleinen Mannes‘ (Frauen sind selbstverständlich hier mitgemeint.). Die Sehnsucht nach dem „starken Mann“, der doch endlich „mit der Faust auf den Tisch hauen möge“ scheint immer größer zu werden.
Oft stecken neben berechtigten Sorgen und Überforderungen auch vielfältige Ängste dahinter, von diesen föderativen und dezentralen Strukturen, von dieser komplizierten und komplexen Wirklichkeit, die man weder verstehen noch steuern kann, geschweige kontrollieren – dass man von dieser gesellschaftlichen Wirklichkeit – von der man sich allenthalben abhängig fühlt – überfordert und übergangen wird. Nicht selten sehen sich Menschen demzufolge vornehmlich in der Opferrolle, aus der sie nur eines – oft unreflektiert und vage – erhoffen: ERLÖSUNG.
Diese vermeintliche oder ehrliche Hoffnung machen sich vor allem all jene gern zu eigen, die im politischen Jargon ,von denen da oben‘ sprechen und die für sich gerne in Anspruch nehmen: „Wenn wir erst einmal die Hebel der Macht in den eigenen Händen halten, dann…“ Ja, dann – so oft die vollmundigen Ankündigungen – wird das ‚Paradies auf Erden‘ sicherlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Derweil – solange die oft selbsternannten ‚Heilsbringer‘ noch im Wartestand verweilen – greifen die Menschen zu Ersatzlösungen: Sie vertrauen sich vielfach esoterischen Versprechungen an, suchen ihr ‚Heil‘ in mystischen Geheimnissen der Astrologie oder anderer geheimnisumwitterter Kulte. Andere laufen all jenen Beteuerungen nach, die sich aus der – oft unreflektierten und z. T. uneingestandenen – Identifikation mit Begriffen wie ‚Volk‘ und ‚Nation‘ oder auch ‚Klasse‘ und ‚Partei‘ ergeben. Wieder andere stürzen sich in Arbeit, Vergnügen oder Luxus. Der ‚Götter‘ gibt es viele…
Die Frage, die mich dabei immer mehr beschäftigt, heißt: Warum erreichen Kirchen und demokratische Parteien die Menschen scheinbar immer weniger? Warum greifen Argumente, die die Dezentralisierung der Macht und föderale Strukturen versuchen, einsichtig(er) zu machen, oft so wenig? Warum hört man oftmals nicht mehr hin? Ist das alles nur erklärbar durch die so genannten ‚Echokammern‘, die uns im Internet dazu verführen, nur jene Videos und Bilder anzuklicken, die uns nur noch in der vorgefassten Meinung bestätigen? Sind wir Sklaven der ‚unsichtbaren Hand‘ hinter all den Medien, die namentlich vorgeben, sozial zu sein?
Verdrängte und vergessene Geschichte – Wieviel Geschichtsvergessenheit können wir uns (überhaupt noch) leisten?
Mir hilft bei all dem fast immer ein Blick in die Geschichte unseres Landes und unserer Kirche. Ich werbe dafür, dass Geschichte weder vergessen noch verdrängt wird. Warum? Weil ich glaube, dass wir dort vielfach Antworten auf Fragen finden, die uns heute bedrängen. Denn – entgegen dem Anschein – sind unsere heutigen ‚Bedrängnisse‘ oft gar nicht so originell, wie sie es meinen und vorgeben und haben absolut kein Alleinstellungsmerkmal.
1938 (!), heute vor fast 90 Jahren, noch vor Ausbruch des verbrecherischen Vernichtungskrieges, in dem auch nationalistischer Rassenwahn sich tarnte mit der Aussage, dass dieses „Herrenvolk“ doch „Lebensraum im Osten“ brauche, schrieb ein hellsichtiger Zeitgenosse:
„Die Welt muss es schrecklich bezahlen, dass ihre Führer nur an die natürlichen Kräfte im Menschen, an die Leidenschaften von Fleisch und Blut, also gerade an das Dunkle, Trübe, an das Chaos, an die Sünde in ihm appellieren, um ihre Ziele…zu verwirklichen. Und darum ist die Wirklichkeit…tragisch, friedlos, mit dem Sprengstoff aller Katastrophen geladen.“
(Karl Pfleger, „Die reichen Tage“, 199)
Und an anderer Stelle:
„Es gibt kein wahres Menschenleben…keine echte, heile, integrale Wirklichkeit ohne …Glauben.“
(ebenda)
Wir wissen heute nur zu gut, was nach 1938 geschah. Die industriell geplante und durchgeführte Vernichtung vor allem von Menschen jüdischen Glaubens steht als Menetekel und einzigartiges Grauen und Verbrechen in der Menschheitsgeschichte und zeigt in kaum zu übertreffender schrecklicher Deutlichkeit, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie blind den Heilsversprechen wie ‚Volk‘ oder ‚Nation‘ hinterherlaufen. Blind laufen Sie deshalb hinterher, weil sie leer geworden sind. Leergeworden an Glauben, Hoffnung und Liebe…
Bereits 1932 (!), noch vor der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Deutschland und Europa, schrieb Karl Pfleger jene Worte, die an Aktualität, wie mir scheint, mehr zunehmen als abnehmen:
„Vertrauen auf die Einzelheiten, auf Nebensächlichkeiten, gerade auf die allerrelativsten, fragwürdigsten Nebendinge des Lebens ist heute mehr als genug vorhanden. Die Menschheit platzt förmlich von Aberglauben an zweit- und drittrangige Weltkräfte, während sie fürchterlich arm und leer geworden ist…“
(Karl Pfleger, „Die reichen Tage“, 102)
Kann man unsere Situation, wie sie sich häufig darbietet, treffender charakterisieren? Damit ist auch schon ein erster Fingerzeig einer möglichen Antwort auf die Grundsatzfrage: Warum hört man nicht (mehr) zu? gegeben: Weil die Menschheit „förmlich von Aberglauben an zweit- und drittrangige Weltkräfte platzt“.
Die Tugend des Vertrauens ist ein zweiter, wichtiger Aspekt eines Antwortversuches: Die Frage steht auch heute vor jedem Einzelnen: Wem vertraust du? Was ist für dich vertrauenswürdig? Worauf baust du dein Leben? Pfleger gab schon vor fast 100 Jahren die Auskunft, die noch heute bedenkenswert ist: Ja, es gibt viel Vertrauen, auch heute. Aber worauf vertrauen Menschen? „Auf Nebensächlichkeiten, gerade auf die allerrelativsten, fragwürdigsten Nebendinge des Lebens“? Wenn diese ‚Diagnose ‘nur im Ansatz stimmt und wenn zunehmend sich keine Kultur des Zuhörens, sondern eine Unkultur des Weghörens sich breit macht, dann sind damit auch schon die Schwierigkeiten klar benannt, die erklären, warum rationale Argumente und Überlegungen scheinbar heute so wenig zählen.
Vom Überleben
Vor nunmehr fast 70 Jahren gab es einen aufsehenerregenden Briefwechsel zwischen zwei bekannten Autoren. Jeder für sich galt als Koryphäe auf seinem Gebiet, der bekennende Christ Friedrich Heer, (geb. am 10.04.1916, gest. am 18.09.1983; zu seinen bekanntesten Werken gehört „Die dritte Kraft“) und der bekennende Nicht-Christ Gerhard Szczesny, (geb.31.07.1918, gest.28.10.2002, zu seinen bekanntesten Werken zählt „Die Zukunft des Unglaubens“). Ihr Aufeinandertreffen im Rundfunk etwa um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts war schon so etwas wie eine journalistische und mediale Sensation. Denn der Austausch erfolgte als ein
„freundschaftliches, aber in der Sache scharf und temperamentvoll geführtes Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Nichtchristen über die Grundprobleme unseres Daseins und unserer Zeit.“
So heißt es im Klappentext des Buches von Heer und Szczesny unter dem Titel: „Glaube und Unglaube“, dem eine 80-Minuten-Radiosendung zugrunde lag und mir scheint, dass dieses kleine, in Briefform verfasste Bändchen schon vor über einem halben Jahrhundert die wichtigsten religiösen Fragen von heute aufgenommen bzw. vorweggenommen hat. Besonders beeindruckt und fasziniert hat mich, dass Gerhard Szczesny als bekennender Nichtchrist seine Sicht auf das Christentum bereits in seinem ersten Brief in einer Art und Weise zum Ausdruck brachte, wie es auch ein Christ kaum besser hätte formulieren können:
„Das Christentum hat nur dann eine Chance, die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte zu überleben, wenn es bereit ist, mit allen anderen, alten und neuen, das Ganze der Welt und des Daseins ins Auge fassenden Glaubensentwürfen eine universale Front gegen jene Mächte zu bilden, die unser Leben auf Funktionalität, Produktivität und Kollektivität reduzieren wollen.“
(„Glaube und Unglaube“, 27)
Wer will, wer könnte dem widersprechen? Die Einengung unseres Lebens, seine Reduzierung „auf Funktionalität, Produktivität“ – wie sehr ist das heute unsere Realität! Und wie ‚irritationsfest‘ sind die unbewiesenen Behauptungen jener ‚Apologeten‘, die (interessengeleitet) von immer mehr Wachstum reden, wohlwissend um die Endlichkeit sämtlicher Ressourcen!
Mir will scheinen, dass diese Aussage exakt jene Aufgaben und Herausforderungen beschreibt, denen sich auch die Kirchen – heute mehr denn je – gegenübersehen. Und vielleicht bedarf es – auch und gerade heute wieder – einer solchen weit- und hellsichtigen Klarheit eines konsequenten Kritikers des Christentums, damit wir der buchstäblichen Notwendigkeit des Glaubens ansichtig werden. Denn auf der letzten Seite dieses Buches schreibt Szczesny jenen Satz, der in wenigen Worten deutlich machen kann, warum Menschen ohne Glauben eigentlich nicht leben können:
„Was den Menschen zu einem religiösen Wesen macht, ist seine Offenheit den metaphysischen Bereichen gegenüber und die Einbeziehung solcher die Erkenntnisgrenzen überschreitenden Bereiche in sein Weltbild und seinen Lebensvollzug.“
(ebenda, 154)
„Die Einbeziehung solcher die Erkenntnisgrenzen überschreitenden Bereiche in sein Weltbild und seinen Lebensvollzug.“
Es geht nicht primär um das satzhafte Bekennen eines Glaubens. Darum geht es auch, weil Menschen sich verständigen müssen. Doch zuallererst geht es um den Lebensvollzug! Und da sagt der christliche Glaube, dass Gottes Zuwendung dort ‚immer schon‘ ist! Das ist eine Aussage von allerhöchster Relevanz, denn sie schützt einerseits vor Überforderung wie sie andererseits Gelassenheit zu vermitteln vermag. Wir müssen ‚Gott‘ nicht zu den Menschen bringen. Wir können das auch gar nicht! Darum ist es trostvolles, existentielles Wissen mit gravierender Bedeutung für das Leben! Jenes Wissen und die Erfahrung: ER ist ‚immer schon da‘.
Das wären also zwei weitere ‚Bausteine‘ auf die Frage: Warum hört man nicht (mehr) zu? Weil wir den Einengungen unseres Lebens, seine Reduzierung „auf Funktionalität, Produktivität“ offenbar nicht genügend entgegensetzen. Weil wir es zulassen, dass „Funktionalität, Produktivität“ einen Raum beanspruchen, der ihnen nicht zusteht! Die „Offenheit den metaphysischen Bereichen gegenüber“ verhindert diese Fixierung auf den rein materiellen Bereich. Und natürlich ist das Werben für diese „Offenheit“ eine ‚Kampfansage‘ an all jene ‚Materialisten‘, die ihr ‚Heil‘ ausschließlich im entfesselten ‚Manchester – Kapitalismus‘ des 19. Jahrhunderts sehen, zu dem schon Karl Marx Entscheidendes gesagt hat.
„Das Gewissen wird zum Entschuldigungsmechanismus degradiert“
Die Frage steht mit großer Dringlichkeit auf, was denn getan werden kann, wenn Menschen sich vor den ‚Karren‘ einer Wirtschaftsordnung ‚spannen lassen‘, für die vorrangig Konsum und Verbrauch zählen. Was man tun kann, wenn Menschen das Vertrauen verlorengeht in die Botschaft von Glauben, Hoffnung und Liebe und man an die Stelle christlichen Glaubens den „Aberglauben an zweit- und drittrangige Weltkräfte“ setzt.
Mir hilft Joseph Ratzinger-Benedikt XVI. (1927-2022), der rät, tiefer zu graben, um aus der Gefangenschaft innerhalb der eigenen Subjektivität herauszukommen:
„Die Identifikation des Gewissens mit dem Oberflächenbewusstsein und die Reduktion des Menschen auf seine Subjektivität befreit nicht, sondern versklavt; sie macht uns erst vollends abhängig von den herrschenden Meinungen und erniedrigt das Niveau der herrschenden Meinungen selbst von Tag zu Tag. Wer das Gewissen mit oberflächlicher Überzeugtheit gleichsetzt, identifiziert es mit einer schein-rationalen Sicherheit, die aus Selbstgerechtigkeit, Konformismus und Trägheit gewoben ist. Das Gewissen wird zum Entschuldigungsmechanismus degradiert, während es doch die Transparenz des Subjekts für das Göttliche und so die eigentliche Würde und Größe des Menschen darstellt. Die Reduktion des Gewissens auf subjektive Gewissheit bedeutet zugleich den Entzug der Wahrheit…Gewiss, dem irrenden Gewissen muss man folgen. Aber der Entzug der Wahrheit, der vorausgegangen ist und der sich nun rächt, ist die eigentliche Schuld, die den Menschen in falsche Sicherheit wiegt und ihn am Schluss in der weglosen Wüste allein lässt.“
(Joseph Ratzinger „Wahrheit, Werte, Macht, Frankfurt, 1999, 38 f)
Vielleicht ist das die Signatur unserer Zeit: Der „Entzug der Wahrheit“ und die Erfahrung „in der weglosen Wüste“ buchstäblich mutterseelenallein zu sein.
Und damit ist ein weiterer Baustein eines Antwortversuches sichtbar: Nicht besserwisserisch oder gar arrogant, sondern solidarisch diese Nöte wahrzunehmen und in liebender Anteilnahme darauf aufmerksam zu machen. Darüber hinausaber auch deutlich zu machen, dass die „Reduktion des Menschen auf seine Subjektivität“ nicht zwangsläufig sein muss und es auch Wege ins Offene gibt.
Diese Wege ins Offene sind keine Wunschträume oder eine Fata Morgana, ganz im Gegenteil. Das kann uns schon das Buch „Woran glaubt, wer nicht glaubt?“ aus dem Jahre 1998 zwischen Carlo Maria Martini, Kardinal und Erzbischof von Mailand, mit dem weltbekannten Autor (u.a. „Der Name der Rose“) Umberto Eco zeigen.
Es gibt gar nicht nur und vorrangig diese ‚stille Resignation‘ oder den Rückzug in die Banalität. Nein, vielfach zeigen sich Sehnsüchte und Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen, die auf eine Dechiffrierung hoffen und auf eine tragfähige Antwort für das ganze Leben. Darum sollten wir aufmerksam in die Schule jener Glaubenszeugen gehen, die die Botschaft so zu sagen vermögen, dass man zumindest auf sie aufmerksam werden kann, wenn man es denn will.
Reinhold Schneider (1903-1958) hat bereits vor vielen Jahren die Schwierigkeiten der Glaubensverkündigung, wie wir sie heute erleben, beschrieben:
„‘Sie haben keinen Wein mehr‘: damit beginnt das Evangelium. Wie aber steht es mit denen, die nicht geladen wurden zur Hochzeit? Immer schmaler wird die Tafel des Bräutigams, immer breiter werden die Tische, an denen niemand mehr nach Wundern verlangt.“
(Reinhold Schneider „Winter in Wien“,71)
Und es ist z. T. ein düsteres Bild der Wirklichkeit, das Hans Urs von Balthasar (1905-1988) malte. Es liegt mit an uns, ob es Wirklichkeit wird:
„Aber die fürchterliche Frage: Wozu das alles, wird immer lauter werden, je mehr die kleine Kugel, auf der wir gefangen stehen von wimmelnden Massen überläuft…Schließlich kann der Dialog der Menschen miteinander nur noch innerhalb der Gefängniszelle erfolgen, auf der das Humanum steht. Dann wird eigentlich der Gedanke, die anderen seien die Hölle, überholt sein durch die Erfahrung, dass wir uns alle gegenseitig und somit jeder sich selber die Hölle ist. Das, womit man auf keinen Fall auskommen kann…, weil jeder immer schon weiß, was überhaupt gesagt werden kann…ein Erwachen bei sich ist unvermeidbar, ob man sich nun einsam wiederfindet oder, was vielleicht schlimmer ist, im Spiegel des Du, zu dem man vor sich floh.“
(Hans Urs von Balthasar, „In der Fülle des Glaubens“, 207)
Eugen Drewermann (geb. 1940) nimmt den Menschen ganz ernst. Er lässt ihn sich ganz aussprechen. Um ihm dann aber auch das zu sagen, was vielleicht viele heute mehr ahnen, als dass sie es wahrhaben wollen:
„Von nichts anderem wirklich kann ein Mensch leben als von dem Vertrauen, trotz allem umfangen zu sein von etwas, das er nicht kennt noch beweisen kann und das ihn dennoch besser kennt als er sich selbst und das ihn doch als berechtigt erweist inmitten einer Welt sonst unauflösbarer Widersprüche.“
(Eugen Drewermann „Dass auch der Allerniedrigste mein Bruder sei“, S. 7)
Karl Rahner (1904-1984) formulierte prägnant „Kurzformeln“ des Glaubens. Sie können m. E. nur zum eigenen Schaden übergangen oder ignoriert werden. Wer sich auf sie einlässt, wird vielleicht jener Kraft von Glauben, Hoffnung und Liebe inne, die unsere Zeit heute so nötig hat. Ich scheue mich nicht, hier von einer „Glaubensrechenschaft“ zu sprechen, die wir als Kirche den Menschen unserer Zeit heute schuldig sind:
„Man könnte einmal das ganze Christentum auf die Formel bringen: Es ist der Glaube, in dem Gott den Hochmut des Menschen so übertrumpft, dass die ärgste Einbildung des Menschen von seinem eigenen Wert zu sündhaftem Kleinglauben und fast tierischer Bescheidenheit degradiert wird…Denn was heißt: Menschwerdung, Gnade und Glorie schließlich anders als: Der Mensch kann es (und sich selber nur so) aushalten, mitten in Gott zu sein…“
(Karl Rahner „Kleines Kirchenjahr“, 97)
Bild von Ilona Frey auf Pixabay und von Stefan Schweihofer auf Pixabay„Wenn das Christentum die mit absolutem Optimismus geschehende Inbesitznahme des Geheimnisses des Menschen ist, welchen Grund sollte ich dann haben, kein Christ zu sein?“
(Karl Rahner, „Schriften“ V, S. 16)