„Wochenimpuls 2026-25“
Reinhold Schneider nahm uns in den jüngsten Überlegungen mit auf eine Reise. Wohin? Vielleicht am meisten zu uns selbst. Wir können uns nicht selbst davonlaufen. Unsere Freiheit ist unser großer Adel – und unsere große Verantwortung. Gabe und Aufgabe zugleich. Und wenn wir eingangs uns die Frage stellten: „Wo ist dein Bruder Abel?“ kann die Antwort nur lauten: Ja, ich bin der „Hüter meines Bruders“. Uns ist aufgetragen, in einer Zeit, in der die Fernsten zu Nächsten werden, uns dranzugeben. Solidarisch die Güter dieser Welt zu teilen. Uns ist es verboten, mit Phrasen herumzufuchteln, wo Taten der Liebe gefordert sind. Uns ist es auch verboten, uns wegzudrücken, wenn Elend und Not an unsere Tür klopfen. Hans Urs von Balthasar (1905-1988) hat seiner Kirche eine unmissverständliche Botschaft hinterlassen: „Schleifung der Bastionen“ 1! Der Kircheninnenraum ist dann keine ‚Fluchtburg‘, wenn wir ihn gemeinsam betreten mit der Schwester und dem Bruder, denen wir aus ihrer Not herausgeholfen haben.
„Sendung und Sammlung“ lautet das Pastoralkonzept im Erzbistum Hamburg im Jahr 2026 und für die folgenden Jahre. Nicht abseits und außerhalb, nein in der Sendung erfahren wir SEINEN Geist. Im Tun der Nächstenliebe ereignet sich vornehmlich die Gottesliebe, der wir in der Sammlung Anbetung und Lobpreis, aber auch Bitten und Klagen entgegenbringen. Allerdings: Nur der kann sich seinem ‚Nächsten‘ zuwenden – ehrlich und unvoreingenommen – der auch zu sich selbst JA sagt. Und – das ist der ‚Mehrwert‘ des Glaubens – wir können ohne Vorbehalt zu uns ja sagen, weil ER zu uns JA gesagt hat. Hier können wir nur sagen: Gott sei Dank. Denn:
„Fanden wir – als wir zu unserem Dasein erwachten – uns nur in einen Zug versetzt, der fährt und fährt, ohne dass wir wissen, wohin…Ist der Mensch bloß der Punkt in der Welt, an dem diese brennend ihrer Nichtigkeit innewird? Glüht unser Geist auf, nur um schmerzlich zu erkennen, dass er aus dem Dunkel des Nichts auftaucht, um in ihm wieder zu verschwinden, so wie eine Sternschnuppe… Laufen wir, um uns endgültig zu verlaufen?“ 2
Unsere Glaubensgeschichte sagt uns: Wenn wir dem ‚Stern von Bethlehem‘ folgen, dann werden wir auch ankommen. Wir laufen nicht, um uns endgültig zu verlaufen, sondern um MIT IHM BEI IHM ANZUKOMMEN. Hoffentlich sagen und geben wir diese wunderbare Botschaft auch so weiter, dass möglichst viele unserer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen auf den ‚Geschmack des Glaubens kommen.
- Buchtitel von Hans Urs von Balthasar ↩︎
- Karl Rahner „Das große Kirchenjahr“, Leipzig, 1990, S. 156 f ↩︎