„Den Menschen nahe“ – 80 Jahre Caritas in Mecklenburg

Mein persönlicher Rückblick auf die Arbeit in der Caritas

Caritas im autoritären System DDR

Die Caritas in Mecklenburg begeht in diesem Jahr 2026 den 80. Jahrestag ihres Bestehens. Man könnte auch – etwas salopp formuliert – sagen, die Caritas ist ‚in die Jahre gekommen‘, denn mit 80 Jahren gehört man gewissermaßen zum ‚alten Eisen.“ Doch die Caritas ist nicht nur jung geblieben. Mit einem alten, bekannten Werbespruch könnte man heute in Bezug auf ihre gesellschaftliche Relevanz auch formulieren: Nie war sie so wertvoll, wie heute!

Ich habe mein dienstliches Leben ausschließlich in der Caritas verbracht, erst in der Caritas Mecklenburg, dann in der Caritas im Norden, dem Caritasverband für das Erzbistum Hamburg. Und da ich über die Hälfte der ‚Lebenszeit‘ der Caritas in Mecklenburg ihr angehörte, möchte ich ein klein wenig über mein Verhältnis zur Caritas erzählen. 

Die Caritas und ich

Aufgewachsen bin ich in der DDR. Vieles wird heute aus unterschiedlichen Gründen nostalgisch verklärt. Und kaum gibt man sich Rechenschaft darüber, dass es ein staatsmonopolistisches System war, indem die Parteidoktrin über einen allmächtigen Staatsapparat buchstäblich alles bestimmte und kontrollierte. Die Machtfrage war entschieden und nach leninscher Denkart musste alles getan werden, damit sie nie mehr in Frage gestellt werden kann. Das wirkte sich auf alle Lebensbereiche aus, einschließlich Bildung und Erziehung, in denen der sozialistische Staat ein Monopol beanspruchte. Kirche wurde geduldet, auf engstem Raum durfte sie ein ‚Schattendasein‘ führen – im Rahmen der geltenden Gesetze der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. Interessanterweise gab es einige wenige Kinderheime, die zumeist von Ordensschwestern geleitet wurden. Aber auch hier griff rasch die staatliche Macht ein, so dass – beispielsweise wie in Dreilützow – das Kinderheim aufgelöst wurde.

Stattdessen durfte die Kirche mit ihrer Caritas sich um die Pflege und Betreuung älterer und behinderter Menschen kümmern. Diese Dienste waren dem Staat durchaus willkommen, nicht aber die Möglichkeit christlicher Erziehung und Bildung. 

Was das an Einengung und Repression tatsächlich bedeutete, kann sich heute, besonders von jüngeren Menschen, die diese Erfahrung – Gott sei Dank, möchte man sagen – nicht machen mussten, kaum jemand ernstlich noch vorstellen. 

Man wird dies auch kaum abstrakt erwägen und ermessen können. Darum kann an dieser Stelle eine biografische Erzählung vielleicht hilfreich sein. Sie ist zugegebenermaßen weit ausholend geraten. Das muss insofern kein Nachteil sein, weil nur in konkreten Bezügen sichtbar und erfahrbar wird, welche Auswirkungen Totalitarismus hat, wie er bis in Familien hinein Angst, Unsicherheit und Unfrieden bringen kann. 

Exkurs – Drama bei der Berufsentscheidung

Eingeschult wurde ich 1965 in eine – wie es seinerzeit hieß – Polytechnische Oberschule (POS). Bis zur 8. Klasse lernte man gemeinsam im ‚Klassenverband‘. Die jeweils Klassenbesten erhielten die Chance, in den kleinen, bevorzugten Kreis jener Schülerinnen und Schüler aufgenommen zu werden, die dann von der 9. – 12. Klasse an der Erweiterten Oberschule (EOS) das Abitur machen konnten als Voraussetzung für das Studium an Hochschulen und Universitäten. Voraussetzung für die ‚Delegation‘ an die EOS waren selbstverständlich herausgehobene Leistungen, besonders in den Hauptfächern wie Deutsch, Mathematik, Physik, aber auch Staatsbürgerkunde.

Schon hier begannen die Schwierigkeiten, denn wer – aus welchen Gründen auch immer – die geltende Staatsdoktrin, die Bestandteil sämtlicher Fächer war und im Fach Staatsbürgerkunde (Stabü) den Hauptteil der Indoktrination ausmachte, in Frage stellte, musste sich nicht nur unbequeme Fragen gefallen lassen, sondern zog sich nicht selten das Misstrauen und das Missfallen besonders ‚linientreuer‘ Lehrerinnen und Lehrer zu.  In der 8. Klasse fiel dann auch in anderer Hinsicht eine Grundsatzentscheidung: Es gab die so genannte ‚Jugendweihe‘, das feierliche Bekenntnis der Jugendlichen zum sozialistischen Staat, einschließlich der marxistisch-leninistischen Weltanschauung, die ihrerseits den dialektischen und historischen Materialismus mit seiner atheistischen Grundüberzeugung lehrte. Für diese Doktrin war Religion „Opium des Volkes“ (Marx) oder „Opium für das Volk“ (Lenin).

Die Version Lenins war noch folgenreicher als die von Karl Marx, denn wenn dem Volk von Kirchen und Priestern die Religion, dieses ‚Opium‘ für das Volk, dieses ‚Rauschmittel‘, vermittelt wurde, dann konnte   dieses Tun nur einen Sinn und Zweck haben, nämlich das ‚Volk‘ vom „revolutionären Klassenkampf“ abzuhalten, es „einzulullen“ und auf das Jenseits zu ‚vertrösten‘. So die offizielle Lesart des Marxismus-Leninismus, der offiziellen Staatsdoktrin der DDR. Und dann mussten jene ‚Rauschgifthändler‘ mit allen Mitteln bekämpft werden. Lenin meinte, der Klerus müsse ‚liquidiert‘, vernichtet werden.

Die Situation der Kirche(n) in der DDR kann – gemessen an anderen Ländern des damaligen ‚Ostblocks‘ – durchaus als gemäßigt bezeichnet werden, was sicherlich auch mit der besonderen Situation der Existenz zweier deutscher Staaten zu tun hatte und mit dem chronischen Devisenmangel der DDR. Die Zugeständnisse an Freizügigkeit fanden allerdings immer dort ihre Grenze, wo die Machtfrage tangiert wurde. Außerdem ließ sich das herrschende Regime seine tolerante Kirchenpolitik durchaus angemessen ‚entlohnen‘ – und zwar durch ‚Westgeld‘. (Stichworte hierfür sind der Kirchenneubau in der DDR oder der Freikauf politischer Gefangener.) – Die ideologische Kampfansage an die Kirchen war allerdings überall gleich. Es gab sowohl militanten Atheismus als auch Ignoranz und Arroganz den Religionsgemeinschaften gegenüber. „Es kann gar keinen Gott geben, wir können es beweisen durch die ‚einzig wissenschaftliche Weltanschauung‘.“ So die Aussagen im Staatsbürgerkundeunterricht an der EOS. Noch heute danke ich meinem Heimatpfarrer, der mich auf den Theologen Karl Rahner aufmerksam machte, der demgegenüber schrieb: „Weiß der Mensch …aus sich wirklich mehr von sich, als dass er eine Frage ist…die nur weiß, dass die Last der Fragwürdigkeit bitterer ist, als dass der Mensch sie auf die Dauer erträgt?“ 1

Mut zur bewussten Gewissensentscheidung

Die katholischen Bischöfe reagierten entsprechend, indem sie dem gläubigen Volk die strikte und dringende Empfehlung gaben, ihre Kinder und Jugendlichen deshalb nicht zur Jugendweihe gehen zu lassen. Man wird sagen können, dass für die allermeisten Jugendlichen dieses Ritual ohne größere ‚staatsbürgerliche‘ Bedeutung war. Junge Menschen haben in diesem Alter andere Interessen als sich für sozialistische Ideale einzusetzen. Geld für ein Moped oder eine Reise, generell eine schöne Feier zu Beginn des Erwachsenwerdens, standen für die jungen Menschen im Mittelpunkt ihres Interesses. Man wird sicher Ähnliches auch sagen können von der Konfirmation und der Firmung. Für den sozialistischen Staat war die Teilnahme an der Jugendweihe allerdings ein geeignetes Kriterium, herauszufinden, wie ‚linientreu‘ sich das Volk verhielt, welche Widerstände und Vorbehalte es gibt u. ä. So erklärt sich u.a. auch die fast 100% Teilnahme der Kinder und Jugendlichen an diesem Ritual.

Diese wissentlich und willentlich in kaufgenommene massive Beeinträchtigung weiterer Entwicklungsmöglichkeiten junger Menschen katholischen Glaubens, wird von mir heute in Frage gestellt, weil das bewusste Leben in einem totalitären Regime nicht nur einmalig und nicht nur punktuell, sondern kontinuierlich eine bewusste Entscheidungerfordert, wie weit man zu gehen bereit ist bei der Frage von Kompromissen mit der allmächtig sich gebenden Staatsmacht, ohne in Gewissenskonflikte zu geraten. Meine Vorbehalte beziehen sich nicht nur hinsichtlich der Rigorosität der politischen Willkürentscheidung.

Auch hinsichtlich der kirchlichen Vorgabe(n) kommen mir heute Bedenken, denn einerseits zwingt man junge Menschen in eine Situation, die sie zu diesem Zeitpunkt kaum überschauen können bezüglich ihrer weiteren Entwicklungschancen. Die Frage drängt sich auf, ob es nicht von Seiten der Kirche sinnvoller gewesen wäre, den Gläubigen Mut zur bewussten Gewissensentscheidung zu machen, sich – besonders in totalitären Systemen – situativ immer wieder neu am christlichen Glauben auszurichten. (An dieser Stelle muss ich einschränkend von der römisch-katholischen Kirche sprechen, denn die evangelischen Landeskirchen verhielten sich in dieser Situation flexibler. Teilweise versuchte man, mit dem Staat zu kooperieren, sich mit dem staatlichen System zu arrangieren, so dass man teilweise auch von der „Kirche im Sozialismus“ sprach.) 

In Abstimmung mit meinen Eltern stellte ich seinerzeit keinen Antrag auf ‚Delegation‘ in die Erweiterte Oberschule, denn ich wusste ja um die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens, weil für mich als praktizierender Katholik die Teilnahme an der Jugendweihe unter keinen Umständen in Betracht gezogen wurde. Alternativ strebte ich eine Berufsausbildung mit Fachabitur an. Diese berufliche Ausbildung war auch für mich möglich, trotz Nichtteilnahme an der Jugendweihe. Hier wirkte sich sicherlich aus, dass die DDR chronisch an Arbeitskräften, auch an fachlich qualifizierten Arbeitskräften litt. Ich hatte mich für diesen Weg entschieden, die Unterschrift meiner Eltern lag hierzu bereits vor.  

Dann trat in der 10. Klasse, also im Jahr 1975, eine für mich völlig unerwartete Situation ein. Ich wurde zu einem persönlichen Gespräch vom Direktor der POS eingeladen, in dem er mir eröffnete, dass er seine Zustimmung gegeben hat, dass ich nach erfolgreichem Schulabschluss der 10. Klasse an der POS anschließend an die EOS nachnominiert werde, um nach Abschluss der Klassen 11 und 12 das Abitur abzulegen. Für mich war das eine große Überraschung, die zunächst große Freude auslöste. Der Hinweis meiner Mutter auf die fehlende Jugendweihe wurde mehr oder weniger vom Direktor stillschweigend übergangen. 

Was war geschehen?

Das Nachfolgende kann ich nur deshalb hier wiedergeben, weil nach vielen Jahrzehnten – ich war längere Zeit schon beruflich tätig und hatte eine Familie gegründet – mein ehemaliger Klassenlehrer, der ein aktiver evangelischer Christ war und auf Grund seines Wissens und seiner Menschlichkeit an der Schule und auch sonst in der Gesellschaft ein hohes Ansehen genoss, mir diese Zusammenhänge detailliert erläuterte. An der EOS wurde insgesamt 4 Schülerinnen und Schülern nahegelegt, auf Grund mangelnder Leistungen mit Abschluss der 10. Klasse eine Berufsausbildung zu beginnen. Diese 4 Plätze wurden also frei und mussten nachbesetzt werden. Das war insofern ein großes Risiko für diese 4 ‚Nachrücker‘, weil die 9. und 10. Klasse an der EOS ein höheres Lernniveau aufwies als an der POS. Die ‚Nachrücker‘ mussten sich – besonders in den Sprachen und den naturwissenschaftlichen Fächern – rasch an ein wesentlich höheres Lernniveau und ein schnelleres Lerntempo gewöhnen. Die EOS war eine sorgsam ausgewählte Eliteschule für künftige fachliche und politische Kader, wie es im damaligen Sprachgebrauch hieß. Entsprechend sorgfältig war die Auswahl der ‚Nachrücker‘. Sie war erforderlich geworden, weil die Plätze an diesen Schulen – entsprechend der Planvorgaben – vollständig durch Delegation aus den jeweiligen POS zu besetzen waren. 

Als mein Klassenlehrer mich dem Direktor vorschlug, wurde ihm zunächst barsch geantwortet: „Der Hubert kommt nicht auf die EOS. Der hat ein ‚falsches Bewusstsein‘. Ausdruck dessen ist seine Nichtteilnahme an der Jugendweihe.“ Das Gespräch zwischen Direktor und Lehrer entwickelte sich dann wie folgt. Mein Klassenlehrer sagte: „Ja, Herr M., wenn das so ist mit dem „falschen Bewusstsein“, dann muss der Hubert doch erst recht zur EOS, damit er (endlich) das ‘richtige Bewusstsein‘ bekommt.“ Darauf der Direktor: „Ja, lieber Herr W., wenn das so ist, dann weiß ich endlich, was ich dem Parteisekretär zu sagen habe.“ Der Direktor war selbst auch wieder rechenschaftspflichtig für seine Entscheidung – und zwar der alles beherrschenden Partei in Gestalt des zuständigen Parteisekretärs gegenüber. Mein Klassenlehrer hatte ihm also ein ‚schlagendes Argument‘ an die Hand gegeben. 

Nachtragen möchte ich an dieser Stelle noch die Beschreibung einer Situation, die sich in jenem Augenblick für mich irritierend anfühlte und die sich im Lichte dessen, was ich viel später erfuhr, als plausibel und nachvollziehbar herausstellte. Als die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der POS ihre Abschlusszeugnisse erhielten, mit denen sie in‘ s Berufsleben starteten und ich an die EOS ging, gab es vor großem Auditorium viel Lob, Wünsche und Beifall von Eltern, Lehrern und dem Schuldirektor. Als ich an der Reihe war, und auch einen Glückwunsch von meinem Klassenlehrer erwartete, schaute der mir lange und eindringlich in die Augen und sagte jenen Satz, den ich mein ganzes Leben niemals vergessen werde: „Rudolf, verlier‘ deinen Glauben nicht! Und wenn du Fragen hast, du weißt, wo du mich findest.“ Ich kann diesen Satz ebenso wenig vergessen, wie meinen liebenswerten und klugen Lehrer E. W.  

So kam ich also ohne Jugendweihe und ohne Antrag aufgrund einer entsprechenden Delegation des Direktors der POS auf die Erweiterte Oberschule und konnte nach zwei weiteren Schuljahren mein Abitur – den Nachweis der Befähigung zum Studium – machen.

Stirnrunzeln und Ermahnung

Nun war ich also an der EOS mit dem Abitur, das ich mit einer guten Note abschloss. Auch die folgende kleine Randnotiz wurde mir – allerdings auch erst im Nachhinein – sonnenklar: Mich kannte an dieser Schule zunächst kaum jemand. Und doch wurde ich auf einer der ersten Versammlungen der Grundorganisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der einzigen Jugendorganisation, die vom Staat zugelassen wurde und die sich offiziell als „Kampfreserve der Partei“ verstand, gebeten, für das ‚Amt‘ des Agitators zu kandidieren. Ich verstand nicht, was das zu bedeuten hatte, sträubte mich aber auch nicht sonderlich – und wurde gewählt, einstimmig. Meine Bemühungen um Wandzeitung und ‚Rund-Tisch-Gespräche‘ waren allerdings von solcher ‚Qualität‘, dass ich mir des Öfteren das Stirnrunzeln und die Ermahnung des Klassenlehrers und des Staatsbürgerkundelehrers zuzog. – Merkwürdigerweise und für mich auch heute nicht nachvollziehbar, waren die Mitgliedschaft in der Pionierorganisation und in der Freien Deutschen Jugend – im Gegensatz zur Teilnahme an der ‚Jugendweihe‘ – nicht mit dem ‚Bann‘ der Bischöfe belegt, obwohl Ausrichtung und Instrumentalisierung beider ‚Massenorganisationen‘ eindeutig im Sinne der Staatsdoktrin waren. 

Doch jetzt beginnt das Drama erst. Wer das Abitur mit der Note befriedigend oder ausreichend abschloss, konnte u. U. eine Berufsausbildung beginnen. Alle anderen Abiturienten mussten studieren. Sie waren als künftige ‚politische und fachliche Kader‘ vorgesehen – wie man nicht müde wurde – uns diesen Status eindringlich vor Augen zu führen. So wurde mir das auch in einem ausführlichen Gespräch vom Klassenlehrer erläutert. Das Studium sah i. d. R.  fünf Jahre vor, anschließend gab es noch eine dreijährige Absolventenbindung an einen Ausbildungsbetrieb. Und vor dem Studium war der (Pflicht-) Wehrdienst abzuleisten. Stillschweigend wurde an unserer EOS (Ob das überall so war, entzieht sich meiner Kenntnis, scheint aber wohl nicht unwahrscheinlich gewesen zu sein.) vorausgesetzt, dass Abiturienten mindestens drei Jahre zur NVA (Nationale Volksarmee) der DDR gingen oder gleich die Offizierslaufbahn einschlugen. So kam es, dass ich in meiner Altersstufe der Einzige war, der die Pflichtzeit von 1 ½ Jahren NVA absolvierte – wiederum sehr zum Missfallen des ‚Lehrerkollektivs‘ an der EOS. „Der Staat hat in dich investiert. Und was bist du bereit, dem Staat zurückzugeben?“ Dieser Vorwurf wurde mir gegenüber nicht nur einmal erhoben. 

Auch der Grundwehrdienst bei der NVA war wohl – zumindest auch – dafür gedacht, mich entsprechend zu formen und (endlich!) eine ‚sozialistische Persönlichkeit‘ aus mir zu machen. Anders kann ich mir bis heute ‚keinen Reim darauf machen‘, dass ich auch hier – als einfacher Soldat – ‚dienstverpflichtet‘ wurde in die FDJ – Leitung des Bataillons. Fairerweise muss ich sagen, dass der Ärger mit den Dienstvorgesetzten, den es in schöner Regelmäßigkeit über meine ‚Aktivitäten‘ gab, sich in Grenzen hielt, denn – ähnlich wie auf der EOS – erwies sich der ‚Agitator‘ als unfähig und lustlos bei solchen ‚Aktionen‘ wie der Gestaltung von ‚Wandzeitungen‘ oder bei der ‚Zeitungsschau‘. 

Nach diesem ‚Ehrendienst‘ bei der NVA sollte das Studium beginnen. Da ich eingetragen war für das Fach Tierproduktion an der Universität Rostock, absolvierte ich nach dem Abitur und bis Beginn des Wehrdienstes ein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Ebenso nach dem Wehrdienst bis zum Studienbeginn. Ich konnte bis zur verbindlichen Zusage, dass die Kirche mich über die Caritas zur Ausbildung zulässt, darüber offiziell nichts verlautbaren lassen, denn die Konsequenz wäre ja umgehend die Aufhebung der Studienzulassung gewesen! Diese Zeit war für mich persönlich eine Phase großer innerer Unruhe und Konflikte – auch innerhalb der eigenen Familie.

Das eigentliche Drama zeichnete sich jetzt in grellen Farben ab, denn mein heimlicher Wunsch war es, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen. Mutter und Heimatpfarrer sahen in mir schon den künftigen Theologen. Doch im Zölibat leben wollte und konnte ich nicht. Damit war dieser Weg mir innerkirchlich verschlossen. Blieb einzig die vage Möglichkeit einer caritativen Ausbildung in der DDR. So eng waren seinerzeit die beruflichen Möglichkeiten bzw. Grenzen! Neben den normalen Unwägbarkeiten in Bezug auf einen erfolgreichen Abschluss der (möglichen) kirchlichen Ausbildung und dem sich anschließenden ‚Anerkennungsjahr‘, kam erschwerend der bereits erwähnte Umstand hinzu, dass diese Ausbildung staatlich nicht anerkannt wurde. Das veranlasste die Verantwortlichen in Kirche und Caritas dazu, nur Anwärter zur ‚Fürsorger – Ausbildung‘ zu zulassen, die schon einen staatlich anerkannten Beruf hatten. Denn – so die Überlegung – wenn die Staatsmacht einen harten Kirchenkampf führt und u. U. kirchliche Aktivitäten, wie die der Caritas unterbindet, stehen diese kirchlichen Mitarbeiter mittellos ‚auf der Straße.‘ Das wollte man unter keinen Umständen riskieren. 

Heute kann ich das nachvollziehen

Heute kann ich dieses Vorgehen sehr gut nachvollziehen, denn es war vor allem von großer Umsicht und Verantwortung getragen. Heute verstehe ich das – aber damals? Ich stand in einer kaum auszuhaltenden Spannung: 

Einerseits der verbindlich zugesagte Studienplatz mit der Aussicht auf eine auskömmliche und einigermaßen sichere Existenz in der DDR und – damit verbunden – dem (sehr wahrscheinlichen) beruflichen Verzicht auf einen kirchlichen Dienst. 

Oder: Dass ich – entgegen sämtlichen Vorgaben und Gepflogenheiten von Seiten der kirchlichen Caritas und der zuständigen kirchlichen Autorität – auch ohne Beruf zugelassen werde zur kirchlichen Ausbildung durch die Caritas. Voraussetzung hierfür war die Rückgabe des Studienplatzes mit all den erwähnten Risiken und Unwägbarkeiten.

Fürsorger

Für mich ist es heute noch wie ein ‚Wunder‘, dass ich – nur mit meinem Abitur – zum Vorpraktikum der Fürsorger- Ausbildung seitens der kirchlichen Caritas zugelassen wurde. Verbunden war damit die verbindliche Zusage, dass nach erfolgreichem Abschluss des Vorpraktikums für mich die ‚Fürsorger-Ausbildung‘ anstand. Voraussetzung war also, dass das Vorpraktikum erfolgreich bestanden wurde. „Was passiert mit dir, wenn das Vorpraktikum nicht gut verläuft?“ Diese Frage stellte mir nicht nur mein Vater. Im Rückblick wird mir heute fast schwindlig über meinen ‚Drahtseilakt ohne Netz und doppelten Boden‘, denn in der Tat: Was wäre passiert, wenn man von Seiten der kirchlichen Caritas gesagt hätte: „Es ist wohl besser, du wählst einen anderen Beruf.“

Das Studium wäre nicht mehr möglich gewesen, denn ich hatte durch die Rückgabe des Studienplatzes und die Wahl einer kirchlichen Ausbildung ja den Nachweis erbracht, kein zuverlässiger ‚Kader‘ zu sein im Sinne der herrschenden Parteidoktrin. – Ich kann mir dieses ‚Wunder‘ heute nur so erklären, dass es Menschen in der Kirche/Caritas gab, die seinerzeit meine Situation realistisch einschätzten. Die der Argumentation folgten und sahen, dass ich einen kirchlichen Dienst mit einer entsprechenden Ausbildung beim ‚Punkt 0‘ nicht antreten werde nach fünfjährigem Studium und einer dreijährigen ‚Absolventenbindung‘. Ich bin heute noch jenen Entscheidungsträgern für Ihren Mut zu großem Dank verpflichtet! 

Im Anschluss an das Vorpraktikum stand für mich die Ausbildung im Fürsorger – Seminar in Magdeburg an – als Einziger in unserem Kurs ohne vorherigen Beruf!

Die Ausbildung der Caritas gliederte sich in das erwähnte Vorpraktikum, dem eigentlichen Studium mit dem Abschluss eines kirchlichen Examens und dem anschließenden Anerkennungsjahr, das mit der Anerkennung als „Fürsorger im kirchlichen Dienst“ abschloss. Diese ‚westliche‘ Fachhochschulausbildung wurde vom kommunistischen Staat selbstverständlich nicht anerkannt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Frage der Namensgebung. Ein staatliches Diplom durfte es nicht sein – also war es ein kirchliches Examen mit Unterschrift des zuständigen Bischofs. Einen Sozialarbeiter/Sozialpädagogen konnte es interessanterweise in der DDR auch nicht geben. Denn – so die staatlich verordnete Doktrin – die soziale Frage war in der DDR geklärt. Und zwar ein für alle Mal, weil durch die Überwindung der antagonistischen Klassengegensätze in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft die sozialen Fragen und Probleme, die ja Kennzeichen der kapitalistischen/ imperialistischen Gesellschaftsordnungen waren, endgültig geklärt waren. Es ist ja so einleuchtend – und so einfach: Ohne soziale Fragen und Probleme – keine Sozialarbeiter und Sozialpädagogen! Sie waren erforderlich in den gesellschaftlichen Ordnungen des ‚Klassenfeindes’. Es war genau diese Argumentationskette, die ein Ehepaar aus unserem Ausbildungskurs staatlichen Stellen vortrug mit dem völlig überraschenden Ergebnis, dass ihrer Ausreise aus der DDR zugestimmt wurde. 

Mein Traum

Ich möchte abschließend das sich für mich seinerzeit ergebende Dilemma noch einmal in aller Kürze skizzieren: 

Als junger Mensch, für den die Kirche Hort der Freiheit, der Selbstbestimmung und der Hoffnung in einem totalitären Regime war, dem also diese Kirche sehr viel bedeutete, hatte ich einen großen Traum: Dieser Kirche möchte ich dienen, in ihr möchte ich meine beruflichen Träume und Ideen verwirklichen. Allerdings: Theologie in der DDR ging nicht für mich, weil ich nicht Priester werden wollte bzw. konnte.

Und wenn ich mein staatliches Studium antrete, einschließlich der Absolventenbindung und die Zeit bei der NVA mit hinzurechne, dann bin ich ca. 30 Jahre alt. Vermutlich habe ich dann schon eine Familie, so dass mein Traum, bei und in der Kirche zu arbeiten, nicht in Erfüllung gehen wird.

Denn wie sollte eine (mögliche) Familie versorgt werden, wenn der Ehemann und Vater die Woche weg, in einer kirchlichen Ausbildung ist? Der monetäre Aspekt ist dabei noch nicht einmal mitgedacht.

Die zweite Möglichkeit: Ich verwirkliche meinen Traum. Dann muss ich meine Immatrikulation an der Universität wieder rückgängig machen. Ich würde dann – wenn die Caritas mich nimmt (was völlig illusorisch schien auf Grund des fehlenden Berufes!)  – ein einjähriges Vorpraktikum beginnen – bei mir persönlich waren es insgesamt 8 (!) Einsatzstellen – um dann erst – nach erfolgreichem Vorpraktikum – zu erfahren, ob ich von der Caritas für die Ausbildung zum „Fürsorger im kirchlichen Dienst“ übernommen werde. 

Dilemma mit Konflikten

Für mich persönlich löste dieses Dilemma massive innerfamiliäre Konflikte aus. Erstens waren die Eltern geteilter Meinung. Zweitens war es für meinen Vater Verantwortungslosigkeit pur, dass sein Sohn eine einigermaßen solide Aussicht im Erwerbsleben eintauscht gegen – für ihn zu dieser Zeit – jugendliche Schwärmereien, die zudem auf absolut schwankendem Boden standen, der jederzeit einzubrechen drohte. Niemand konnte zum Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns 1979 ahnen, dass es im Jahr 1989/ 90 eine gesellschaftliche Wende gab mit vielen, neuen, oft überraschenden Möglichkeiten.

Nach zusätzlichen Klausuren und Kolloquien wurde unsere Ausbildung anerkannt und wir erhielten neben der staatlichen Anerkennung auch das entsprechende Diplom. Ich hatte die Gelegenheit, eine weitere Ausbildung zum staatlich anerkannten Betriebswirt zu absolvieren und konnte in einem siebenjährigen Fernkurs Theologie die Lehrbefähigung für die Erwachsenenbildung durch das Berliner Ordinariat erlangen. Das alles war nicht absehbar, erst recht nicht selbstverständlich.

Von daher erscheinen mir heute auch die familiären Konflikte in gänzlich anderem Licht: Namentlich mein Vater, der sich stets fair erwies und der – trotz aller Widerstände und gegenteiliger Meinung zu meinem eingeschlagenen Lebensweg – mich persönlich zu Orten, in denen ich mein Vorpraktikum absolvierte, z. T. persönlich begleitete, handelte aus keinem anderen Motiv heraus als aus dem der Verantwortung. Und ich werde ihm immer dankbar sein für seinen unbedingten Zuspruch und Vertrauenserweis. Denn es war mein Vater, der mir sagte: „Mein Sohn, du hast mich nicht enttäuscht. Ich vertraue dir. Du wirst mich nicht enttäuschen.“ Wie sehr hat mich dieses Vertrauen im Leben begleitet, ja getragen. Ich bin heute noch aus ganzem Herzen meiner Familie dafür dankbar. 

Als 1989/90 die gesellschaftliche Wende kam, war ich einer derjenigen, der diesen Wandel mit allen Fasern seines Herzens herbeisehnte. Und ich bin heute noch für dieses Ereignis überaus dankbar! Für mich war und ist die Wende 1989/ 90 ein ‚Geschenk des Himmels‘, eine große Gnade, für die zeitlebens dankbar sein werde. Auch wenn ich weiß, dass Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung in allererster Linie Gaben sind, die zugleich Aufgaben darstellen, denen man sich weder entziehen kann noch entziehen darf! 

Ansonsten läuft auch dieses Geschenk Gefahr, verspielt und verloren zu werden. Die deutsche Geschichte liefert anschauliche Beispiele hierfür.  

Was ist Caritas? – „Brauchen die Menschen deine Hilfe, ja oder nein?“

Ein kleiner Gedankensplitter zum kirchlich-caritativen Selbstverständnis

Am 7. Oktober 1994 überreichte mir der damalige Ministerpräsident Dr. Bernd Seite im Auftrag des Bundespräsidenten, das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Hier ging es nicht um mich persönlich, um Rudi Hubert. Hier ging es um mein Tun in der Caritas, um kirchlich-caritatives Engagement. In der Begründung seinerzeit in den Medien hieß es: „Er widmet sich mit großem Engagement der Sozialarbeit, insbesondere auf den Straßen.“ Verwiesen wurde noch darauf, dass ich in der Gefährdeten – und Behindertenhilfe tätig war, in der ich auf christlich-ökumenischer Basis einen Behindertenkreis gegründet habe. Soweit das OffizielleIn Wirklichkeit ging es um etwas anderes, ich beschreibe es nachfolgend kurz, denn es ist eine Episode, die wesentlich mit dem Führungsstil und dem Selbstverständnis in der Caritas zu DDR-Zeiten zu tun hat und die mich persönlich geprägt hat in meinem Dienst bei der Caritas – und nicht nur dort – bis heute.

In der gesellschaftlich ‚wilden Zeit‘, unmittelbar nach der gesellschaftlichen Wende in unserem Land Anfang der 90iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, bat mich eine Elterninitiative in Schwerin, die sich einsetzte für Menschen mit Beeinträchtigungen, ob ich eine Gründungsversammlung leite für einen Verein, der nicht Caritas heißt. Es ging um die Lebenshilfe, deren erste ‚Unterkunft‘ in Schwerin – Mueß war. Diese Örtlichkeit war kein Zufall, denn nachdem wir unter großer medialer Beachtung ein ehemaliges Gästehaus einer hochrangigen SED-Leitung in einer ‚Nacht -und Nebel-Aktion‘ quasi besetzt hatten – und besetzt hielten, (Was in den Wirren des gesellschaftlichen Umbruchs Mut und Courage erforderte und nicht ungefährlich war) sicherten wir für diese Menschen mit ihren Angehörigen eine erste Bleibe und weitere Wirkungsmöglichkeiten.   

Natürlich ist das heute ein Unding und gar nicht mehr vorstellbar, schon aus Satzungsgründen nicht. Aber damals, wo es noch keine festen Strukturen, auch nicht in der Wohlfahrtspflege, gab? Mir sagten diese lieben Menschen, mit denen ich durch so manches Tal der Tränen im „real existierenden Sozialismus“ gegangen bin – weil für sie im wörtlichen Sinn kein Platz war bei der „Errichtung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ – sie könnten das doch nicht, eine so große Gruppe moderieren und eine Sitzung leiten zu Satzungsfragen u. ä. 

Was soll ich machen?

Ich habe in meiner Not meinen damaligen Chef gefragt, was ich machen soll. Nach kurzer Bedenkzeit kam seine Antwort, für die ich heute noch dankbar bin: „Brauchen die Menschen deine Hilfe, ja oder nein?“ Ich sagte darauf ja, denn sonst wären sie doch nicht zu mir gekommen. Darauf seine Erwiderung: „Ja, und – warum fragst du mich? Sind wir als Caritas nicht dazu da, um zu helfen?“ 

„Sind wir als Caritas nicht dazu da, um zu helfen?“ Ich weiß heute im Detail auch gar nicht mehr genau, wie die Sache weiterging, welche Rolle ich dann bei der Gründung der Lebenshilfe in unserer Kommune tatsächlich gespielt habe oder ob das dann doch gänzlich auch ohne mich ablief.  Das alles ist viel zu lang her und letztlich auch nicht wichtig. Doch etwas anderes war wichtig für mich, sehr wichtig sogar, denn wie oft hat mich dieser Leitzsatz getragen, herausgefordert und gestärkt. „Sind wir als Caritas nicht dazu da, um zu helfen?“ Und das Entscheidende: Menschen in dieser Zeit, erst recht zu DDR-Zeiten, konnten wenig mit der Caritas anfangen. Für sie war ich in allererster Linie ein Mann der Kirche. Als solcher wurde ich wahrgenommen. 

Das ist – noch heute, gerade heute! – für mich ein ganz wichtiger ‚Baustein‘ in meiner Biografie. Und immer, wenn ich das Bundesverdienstkreuz anschaue, ähnlich wie die goldene Ehrennadel der Caritas, sind sie Ausdruck für unseren kirchlichen Auftrag: 

Dort, wo Not ist, wo Hilfe erforderlich ist, da haben wir da zu sein, ohne Angst, mit Mut und Courage. Das alles hat nicht nur mein Bild von der Caritas geprägt. Es prägt in wesentlichen Dingen auch mein Bild von Kirche. Kirche hat bei den Menschen zu sein, da, wo gefeiert wird, wo gelacht wird, wo sich gefreut wird. Am Allermeisten aber dort, wo gelitten wird. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. hat es in seinem frühen Bestseller „Einführung in das Christentum“, den er zur Jahrtausendwende noch einmal auflegen ließ, unübertroffen so formuliert: 

„Gott will zum Menschen nur durch Menschen kommen; er sucht den Menschen nicht anders als in seiner Mitmenschlichkeit.“ (Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Einführung in das Christentum 2000, 85)

Und nur eine Seite weiter formulierte er diese Einsicht noch einmal, noch nachdrücklicher. Es scheint fast so, als fürchte er, in seiner Eindeutigkeit nicht so verstanden zu werden, wie er möchte, dass er verstanden wird:

„Der Dialog Gottes mit den Menschen spielt sich nur durch den Dialog der Menschen miteinander ab.  Die Unterschiedlichkeit der religiösen Begabungen, die die Menschen in >>Propheten<< und Hörende teilt, zwingt sie ins Zueinander und ins Füreinander hinein. (Einführung in das Christentum, 86)

„Religion gibt es letztlich nicht im Alleingang des Mystikers, sondern nur in der Gemeinsamkeit von Verkündigen und Hören. Gespräch des Menschen mit Gott und Gespräch der Menschen miteinander fordern und bedingen sich gegenseitig.“ (Einführung in das Christentum, 86)

In meinem Dienst, selbst bei offiziellen Anlässen wie den o. g. Auszeichnungen, ging es nie um mich persönlich, es ging auch nicht in erster Linie um die Caritas. Diese wurde, gerade in den ersten Zeiten nach der ‚Wende‘ kaum gekannt und verstanden. Wahrgenommen wurde ich als ‚Jemand, der von der Kirche kommt‘. Und damit hatte man Wesen und Gestalt von Caritas sogar am tiefsten erfasst! Caritas ist in allererster Linie Ausdruck von Kirche, Caritas kann sich nicht lösen vom Sendungsauftrag der Kirche, wenn sie ihr Wesen nicht verfehlen will! Dieses ‚Erbe‘ haben wir ‚Mecklenburger‘ in die Caritas im Norden eingebracht, unser kirchlich-caritatives Selbstverständnis. 

Ich stehe nicht an, zu sagen, dass wir damit der Caritas auch ein ‚Vermächtnis‘ hinterlassen haben. Unser Leitbild trägt dem bereits Rechnung, wenn dieses Selbstverständnis ganz oben zu stehen kommt. 

Strukturwandel der Kirche als Aufgabe und Chance 2

Den Titel dieser Zwischenüberschrift habe ich von Karl Rahner (1904-1984) entliehen, das Anliegen selbst ist heute (und sicher auch morgen) genauso aktuell wie zur Zeit von Karl Rahner, denn 

„Die durch die Zeiten pilgernde Kirche bleibt nicht davon verschont, ihre Gestalt als Antwort auf den Anruf Gottes immer wieder neu zu reflektieren. Die ekklesiologische Diskussion geht weiter.“ 3

Diese Aussage ist Fazit einer gründlichen Untersuchung zur kirchlichen Situation im Hier und Heute. Die „Kirche in der Welt von heute“ 4 kann sich nicht aussuchen, ob ihre „Bastionen geschliffen werden.“ 5 Darum muss sie, wenn sie ihrem Auftrag treu bleiben will, ihre Gestalt „immer wieder neu …reflektieren“. In diesen immerwährenden kirchlichen ‚Transformationsprozess‘ ist die Caritas als eine der Grundfunktionen der Kirche eingebunden. Darum ist es sinnvoll und zielführend, bei Fragen der Transformationsprozesse im Rahmen der Caritas immer wieder auch auf Entwicklungen im kirchlichen Bereich zu schauen, ob und welche Wege begangen worden sind, ob und welche Lehren man daraus ziehen kann und ziehen sollte. Aber auch: Welche Fehler man tunlichst nicht wiederholen sollte. 

Die o.g. Arbeit „Volk Gottes“ geht näher ein auf den Strukturwandel der Ortskirche, also des Erzbistums Hamburg. Schon hier ist ein erster Gedanke festzustellen, der auch für die Caritas von nicht unerheblicher Bedeutung ist: Es waren und sind i.d.R. jeweils Situationen der Not, die in kirchlich – denkbar kürzesten – Zeiträumen strukturelle Wandlungsprozesse auslösten:

  • Haushaltskonsolidierungen
  • Priesterlicher Personalmangel
  • Generelle Verschärfung der personellen Situation
  • (Erneute) Notwendigkeit finanzieller Konsolidierung

Bis auf den priesterlichen Personalmangel können nach meiner Einschätzung sämtliche anderen Parameter lückenlos auch auf die Caritas übertragen werden. Und auch hier – bei verfasster Kirche und verbandlicher Caritas gleichermaßen – stellt sich die Frage, ob dieser ‚Befund‘ nicht zu größter Vorsicht mahnen sollte. Wie oft gleitet man -zumeist aus Angst (und Angst war nie ein guter Ratgeber!) in Aktionismus ab? Dieser Aspekt sollte immer mitbedacht werden bei allen weiteren Überlegungen. 

Im pastoralen Bereich unseres Erzbistums Hamburg – der weitgehend auch auf die Caritas übertragbar ist – werden folgende weitere Überlegungen als zielführend angesehen:  

  • Erarbeitung eines pastoralen Leitbildes. 
  • Es sollen sich „strukturelle, pastorale und geistliche Zielsetzung in einem Prozess“ vereinen.
  • Es geht um eine „gesamtheitliche Neukonfiguration der Pastoral vor Ort und um einen 
  • „Erneuerungsprozess, der sich umfassend(er) auf sämtliche Substrukturen des Bistums (Generalvikariat, Caritas, Schulwesen, Pfarreien etc.) beziehen soll.

Der letzte Unterpunkt nennt die Caritas ausdrücklich namentlich als eine der „Substrukturen des Bistums“.  Wenn wir über die Aufgaben in Gegenwart und Zukunft der Caritas weiter nachdenken, werden wir darum die bisherigen Prozesse nicht ignorieren können, denen auch die Caritas im Erzbistum Hamburg in den letzten Jahren unterworfen wurde.  

Exkurs II.

Prozesse im innerkirchlichen Bereich und die Frage, was sich daraus als Konsequenzen für die Caritas ergeben (können)

Im Jahr 2006 wurde der Prozess „Salz im Norden“, der 2004/2005 begann und dem schon ein Fusionsprozess und Konsolidierungsprozess von Gemeinden und Pfarreien vorgeschaltet war, abgeschlossen. 

Bereits 2009 beginnt in einem neuen Pastoral – Prozess die Bildung der sogenannten „Pastoralen Räume“. Auch dieser Prozess wurde ergänzt und erweitert durch die Vermögens – und Immobilienreform (VIR) im Erzbistum Hamburg. Dabei sollten bzw. sollen pastoral-inhaltliche, finanzielle und personelle Aspekte entsprechend Berücksichtigung finden in moderierten Prozessen auf Pfarreiebene. Konkret ging bzw. geht es um eine Abstimmung zwischen dem Pastoralen Orientierungsrahmen (POR) und dem Wirtschaftlichen Orientierungsrahmen (WOR).  Um es abkürzend und vereinfacht zu sagen: Im Wesentlichen ging und geht es um Reduzierung aufgrund fehlender Kirchensteuermittel und fehlendem Personal, was einhergeht mit einer oft zu konstatierenden Überforderung der örtlichen Gemeinden und Pfarreien.  

Dieser Prozess sollte 2020 abgeschlossen sein, was auf Grund verschiedener Ursachen und Bedingungen zeitlich nicht erreicht werden konnte. Und schon steht ein weiteres Pastoralkonzept an: „Sendung und Sammlung“ (SeSam). Was diese rasche Aufeinanderfolge von Prozessen und Veränderungen mit den Menschen vor Ort macht, bedarf einer gesonderten Untersuchung.

Wenn ich diese Prozesse möglichst vorurteilsfrei beurteile, erkenne ich – bei allem Wohlwollen – eine Tendenz der Zentralisierung und Reduzierung als beherrschende Konstanten. Dieser ‚Befund‘ wird sicher durch den Blick auf die Ressourcen plausibel, doch er ist nicht die einzige Perspektive. Besser: Er darf nicht die einzige Perspektive sein!   

Man darf den „guten alten Zeiten“ (die ja so gut auch nicht waren!) nicht hinterher trauern, aber für eine gerechte Beurteilung der Lage kann ein kurzer Blick in die Vergangenheit durchaus hilfreich sein. Es gab beispielsweise in Mecklenburg

Dekanatspastoralkonferenzen

Regionalkonferenzen

Einen Regionalpastoralrat

Es gibt heute weder Dekanate noch entsprechende Konferenzen. Die regionalen Räte wurden durch regionale Foren, den Pastoralforen ersetzt. Nach einer Phase des Experimentierens gab es die abschließende Entscheidung, auch diese Foren nicht weiterzuführen. D. h. zwischen Pfarreiebene und Bistumsebene würde es – im flächenmäßig größten Bistum Deutschlands – kein kontinuierliches pastorales Zwischengremium der vertrauensvollen Abrede mehr geben. Dabei pflegt das Erzbistum Hamburg Kontakte zu drei Landesregierungen (Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg – Vorpommern). Insbesondere der Kultur – und Sozialbereich ist Ländersache, ganz abgesehen davon, dass ein überwiegender Teil des Sozialwesens kommunalisiert wurde. 

Ist das wirklich – aus rein praktischen Gründen – händelbar? Das sagt noch nichts aus über die Art und Weise, wie in der Vergangenheit diese Gremien agiert haben!

Ich habe hier meine großen Zweifel, auch wenn ich klarsehe, dass wir längst nicht mehr alles werden machen können. Priorisierung ist das Gebot der Stunde. Aber auch hierbei können wir nicht ‚über die Köpfe‘ hinweg entscheiden. Theologisch und strukturell kann der Ausfall von Zwischenebenen der Beratung und der vertrauensvollen Abrede nach meinem Dafürhalten nur als großer Verlust bezeichnet werden. 

Was ergibt sich aus den kirchlichen Prozessen an Aufgaben für die Caritas im Hier und Heute?

Ganz allgemein wird man schon an dieser Stelle einige Aspekte benennen können, auf die es entscheidend ankommt, wenn wir den „Anruf der Stunde“ als Caritas nicht verschlafen wollen: 

  • Wir sollten vorausschauend denken und handeln und nicht aus puer Angst. Sie war nie und ist nie ein guter Ratgeber.
  • Wir sollten versuchen, die Menschen, die mit uns gehen und auch jene, für die wir da sind als Caritas, möglichst ‚mitzunehmen‘. D. h. sämtliche Transformationsprozesse, auf allen Ebenen, sollten möglichst transparent geschehen. Entscheidungen sollten hinreichend begründet, ihre Zusammenhänge sollten verstehbar kommuniziert werden. Und sie sollten auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtet sein.
  • Hektik und übertriebene Eile sind ebenso schädlich wie eine ‚Friedhofsruhe‘, die die „Zeichen der Zeit“ nicht versteht oder nicht verstehen will. Dennoch sollten wir tunlichst jeden Aktionismus vermeiden, weil dadurch von vornherein die Fehlerquoten in größerem Ausmaß steigen als in Aushandlungsprozessen, in denen Partizipation und angstfreie Kommunikation gelebt werden.
  • Controlling, Zentralisierung scheinen heute so etwas wie Zauberformeln zu sein. Doch es gibt Grenzen und ‚Stolperfallen‘. Konkret: Bei aller Rücksichtnahme auf Ressourcen sollte weder einer überbordenden Bürokratie noch einer Zentralisierung das Wort geredet werden. Manches ist sicherlich not-wendig im buchstäblichen Wortsinn. Aber das Subsidiaritätsprinzip, dass also die jeweils untere Ebene nicht ‚zentral‘, also ‚von oben‘, ausgehebelt werden darf, muss in Geltung bleiben! Warum? Nicht aus ideologischen Gründen, sondern damit sie die in ihr vorhandenen Möglichkeiten auch nutzt und ausschöpft. –Es ist ein grundlegendes Prinzip nicht nur der Katholischen Soziallehre, sondern allgemein der gesellschaftlichen Prozesse in einem demokratischen Gemeinwesen.  

Eine zweite Frage ist die, wie es künftig noch besser gelingen kann, das Thema der Identität der Caritas – und zwar auf allen Ebenen des Verbandes – so zu behandeln, dass es den Stellenwert erhält, der ihm zukommt. Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Turbulenzen in der verfassten Kirche derzeit es vielen Mitarbeitenden schwermachen, sich mit dem kirchlichen Auftrag zu identifizieren. Hier können nur Stichworte genannt werden: Missbrauch und Machtstrukturen, die diesen ermöglichen. Intransparenz von Entscheidungsprozessen, die Rolle der Frau in der römisch-katholischen Kirche (Frauen sind nach wie vor kategorisch vom Weihesakrament ausgeschlossen). Die Verknüpfung des Weihesakramentes ausschließlich mit dem Status von Männern, die im Zölibat leben.  

Karl Rahner hat schon seinerzeit vielfach eingefordert, endlich GOTT zum eigentlichen Thema in der Kirche zu machen. Stattdessen dreht sich nach meinem Eindruck fast alles um Strukturfragen, Finanz – und Personalfragen. Der Inhalt des Glaubens wird dagegen ungenügend zur Sprache gebracht, die Sprachunfähigkeit im Glauben scheint immer mehr zu zunehmen. Die Reihe ließe sich weiter fortsetzen.

Hier scheint mehr als bisher eine Aufgabe der Führungskräfte im Verband zu liegen, in Dienst- und Teamberatungen verstärkt inhaltlich Einfluss zu nehmen, um mitzuwirken, dass Erscheinung und Wesen von Kirche unterschieden werden. Ich plädiere verstärkt für regionale Gesprächskreise. Dabei sollten auch die jeweiligen Pastoralkonzepte ihren Platz haben, einschließlich der Evaluation dieser Konzeptionen. Hier sollte sich die Caritas mit ihren „Orten kirchlichen Lebens“ verstärkt einbringen. Auch wenn zugegeben werden muss, dass die Begrifflichkeit „Ort kirchlichen Lebens“ schillernd ist und einer genaueren Begriffsbestimmung bedarf. Es reicht bei weitem nicht, dass Kirchenbesuch und Taufschein die einzigen Kriterien bilden. Als Grundorientierung mag auch hier gelten: Überall, wo Gutes geschieht, geschieht es in der Zuwendung Gottes. D. h. auch, dass es durchaus viele gibt, die mit uns ‚im gleichen Boot sitzen‘. Hier ist allerdings noch weitere Klärung nötig, nicht nur in begrifflicher Hinsicht.  

Ein dritter Aspekt ist zu bedenken:

Sind für die tatsächlichen und erforderlichen Aufgaben vor Ort – beispielsweise für die Vernetzung mit Initiativen und Aktivitäten im Bereich der verfassten Kirche und auch in den jeweiligen Sozialräumen genügend – auch personelle – Ressourcen vorhanden?

Die Gründung der Caritas im Norden im Jahr 2018 ist auch und vor allem aus dem Grunde entstanden, um die örtliche Ebene zu stärken. Es braucht zusätzliche materielle und personelle Ressourcen der verbandlichen Caritas vor Ort, wenn künftig die Caritas verstärkt mitarbeitet in den Gremien der Gemeinden, also im Pfarrpastoralrat, in den Gemeindeteams oder als Themenverantwortliche(r), beispielsweise im interreligiösen Dialog, in der Ökumene, in der Suizidprävention usw.

Best Practis

Eine weitere Überlegung ist die, wie es künftig noch besser gelingen kann, auf positive Beispiele aufmerksam zu machen, und diese auch in anderen Bereichen und für andere Bereiche zu nutzen? Beispiele sind u.a. die Ehrenamtskoordination, verschiedene Aktivitäten, wie Glaubenskreise oder ein Arbeitskreis Soziales zwischen Pfarrei (Gemeinden) und Caritas. 

Ziele

Grundsätzlich muss geklärt werden: Welches sind die mittel – und langfristigen Ziele in den Gemeinden, Orten kirchlichen Lebens, in der Caritas? (Stichworte sind hier: Leitbild und Strategie) Diese Fragen müssen konkretisiert werden: In welchem Rahmen wird an Leitbild und Strategie weitergearbeitet? Wie laufen Evaluationsprozesse? Wie gelingt es noch besser, den Fokus auf das Eigentliche des christlich-caritativen Engagements zu legen, so dass Engführungen und ‚Kurzschlüsse‘ vermieden werden? 

Identität

Ich möchte meine Überlegungen, die allesamt nur fragmentarisch sein können und die ausschließlich als Anregung verstanden werden wollen, mit zwei Gedanken beenden. Der erste befasst sich mit unserer eigenen Identität, die sich kurz und bündig wie folgt zusammenfassen lässt: 

„Während, so kann man sagen, sich andere Identitäten durch Abgrenzungen bestimmen, ist das Christliche als das Gemeinsame aller Menschen auf Grund ihrer Herkunft und Zukunft in Gott auszulegen.“ 6

Wie weit der Radius caritativen Denkens und Handelns sich dabei erstreckt, dürfte einleuchtend sein. Was sich daraus ergibt für das weitere Handeln der Caritas, eröffnet einen spannenden Diskurs. Illustriert werden können diese Herausforderungen an jenen Worten unseres Erzbischofs, die er anlässlich des Festes des Hl. Ansgar der Ortskirche und damit auch der Caritas im Erzbistum Hamburg als Orientierung mit auf den Weg gibt: 

„Ich begreife unsere Kirche als dienende Gemeinschaft…Eine karitative Haltung ist für mich wesentlich und zukunftsweisend. In der Pastoral unseres Erzbistums und unserer Pfarreien muss Caritas an Bedeutung gewinnen.“  

„Längst ist die Kirche kein großer und stolzer Luxusdampfer mehr. Im Gegenteil, das Schiff der Kirche hat viele Lecks und kräftig Schlagseite…“  

„In diesem Bild der kleinen Schiffe deutet sich für mich etwas Neues an, eine neue Gestalt von Kirche…Wenn unsere Kirche immer mehr den Barkassen ähnelt, so wirkt dies nur auf den ersten Blick wie ein Abstieg. Diese Boote sind aber viel näher an dem kleinen Boot dran, in dem Jesus mit seinen Jüngern auf dem See Genezareth gesessen hat. Kleine Boote sind…wendiger und schneller zu manövrieren. Kleine Boote bedeuten, dass mehr Menschen Verantwortung übernehmen und sich zuständig fühlen…Kleine Boote bedeuten auch eine größere Nähe im Miteinander, wenn auch im kleineren Kreis.“ 

„Wenn es in ihrer Nähe kein Angebot gibt, seien Sie mutig und machen den ersten Schritt, indem Sie z.B. eine Gebetszeit in der Pfarrkirche anbieten, einen Lesekreis zu theologischer oder geistlicher Literatur ins Leben rufen oder woanders aufsuchen. Es wäre ein großes Hoffnungszeichen, wenn wir…die Stärke unserer Hoffnung … zur Entfaltung bringen, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen, sie ins Wort zu bringen, sie auszudrücken.“ 

Für mich sind diese Worte ein Vermächtnis, das die Kirche mit ihrer Caritas auch in Mecklenburg in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einzulösen hat. Ich gebe mich dabei nicht der Illusion hin, dass dies ein einfacher Weg sein wird.  Denn – auch das ist eine Lehre aus der Vergangenheit – wir werden nicht selten erleben, dass hehre Ziele, auch größere Anstrengungen, durchaus belächelt werden. „Es bringt doch nichts.“ „Was können wir schon erreichen?“ Das sind nur zwei – durchaus noch ‚sanfte‘ – Äußerungen, die uns mitunter begleiten und mutlos machen können. Wie kann man damit umgehen, wie kann man seine Hoffnung, sein ‚Dennoch‘ in einer guten Weise, also „intellektuell redlich“ rechtfertigen? Karl Rahner (1904-1984) gibt uns hierzu eine Orientierung. Sie hat mir oft weitergeholfen hat. Ja, sie hat mich getragen, wenn und indem ich mich an sie hielt: 

„Liebe, Treue und Verantwortlichkeit sind auch Wirklichkeiten, die von vielen skeptisch belächelt oder brutal geschändet werden. Für den, der sie aber in Freiheit ‚realisiert‘, haben sie dennoch eine innere Helligkeit und Selbstverständlichkeit, die den Liebenden, Treuen und Verantwortlichen selbst unabhängig machen von der flachen Meinung, die auf den Jahrmärkten des Lebens feilgeboten wird.“ (Karl Rahner „Knechte Christi“, 35)

Rudolf Hubert, Schwerin


  1. Vergleiche dazu meine autobiografischen Aussagen in „Beten mit Karl Rahner“, Band 1, „Von der Not und dem Segen des Gebetes“, Freiburg-Basel-Wien 2004, S. 13 – 20; auch Rudolf Hubert „Im Geheimnis leben“, Würzburg 2013 ↩︎
  2. Buchtitel von Karl Rahner aus dem Jahr 1972 – Das Buch war als Programmbüchlein für die Würzburger Synode konzipiert worden.  ↩︎
  3. Georg Bergner „Volk Gottes“, Würzburg 2018, S. 522 ↩︎
  4. Konzilskonstitution Gaudium et spes ↩︎
  5. Anspielung auf das wegweisende Programmbüchlein von Hans Urs von Balthasar „Schleifung der Bastionen“, Einsiedeln 1952, das von Karl Lehmann als ein ‚Jahrhundertbuch“ bezeichnet wurde, ebenso wie Karl Rahners „Das freie Wort in der Kirche“, Einsiedeln 1953. Beide Bücher entstanden ca. 10 Jahre vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. In ihnen ist vieles vorgedacht worden, was später im Konzil kirchenlehramtlich bestätigt worden ist.  ↩︎
  6. Roman A. Siebenrock in „Nach Rahner“ – post et secundum, Köln 2004, S. 86 ↩︎

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