Gottesfurcht und menschliche Hybris #1

„Wochenimpuls 2026-20“

Religion als Antwort auf die Frage(n), die der Mensch nicht nur hat, sondern ist. Geht das so ‚glatt‘ ab? Gibt es das nicht auch, die Angst oder die ‚Gottesfurcht‘? Wir dürfen diesem Einwand nicht ausweichen, dafür ist er zu ernst. Was meint also zunächst der theologische Begriff der ‚Gottesfurcht‘? Im „Kleinen Theologischen Wörterbuch“ von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler finden wir folgende Aussage:

„Dem religiösen Akt, in dem der Mensch als Kreatur in Anbetung sich Gott stellt, gehört als Moment die heilige ‚Furcht‘ vor dem absoluten, unbegreiflichen und heiligen Gott an, insofern in ihm der Mensch sich als restlos abhängig und als Sünder anerkennt. Sie bedeutet keinen Gegensatz zur vertrauenden Liebe, sondern ein Moment an dieser.“ 1

Gottesfurcht ist also zunächst fundamental verschieden vom herkömmlichen Verständnis von Furcht oder Angst. Sie ist ein Moment am religiösen Akt der Gottesliebe. Und sie besteht wesentlich darin, dass der absolute Unterschied (des Menschen als Geschöpf in Beziehung zu Gott) vom Menschen anerkannt und geliebt wird. Hier geht es also nicht nur um ein intellektuelles Anerkennen. Hier geht es um einen existentiellen Liebesakt, in dem der ganze Mensch, mit allem, was ihn ausmacht, involviert ist. Involviert in seiner Beziehung zu DEM, der sich ihm bereits geschenkt hat. 


  1. Kleines Theologisches Wörterbuch von Rahner-Vorgrimler, 11. Auflage, 1978, S. 169 ↩︎
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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