Seine Stärke ist auch seine Schwäche

„Wochenimpuls 2026-08“

Danke nochmals für Deine Hinweise und Anfragen, was meinen Mut zur Hoffnung und zur Zukunft begründet. Abwendung und Abwehr von Angst kommen ja mitunter aus einer ‚Ecke‘, aus der man es (bisher) nicht vermutet hat. Aber es ist absolut – besonders heute!!! – tröstlich, zu wissen, dass Egoismus und aggressives Verhalten auf Dauer evolutiv einfach ein objektiver Nachteil innerhalb der Evolution sind. Egal, auf welcher Ebene sie stattfindet und unabhängig davon, wie und was der Augenschein vermittelt, der eh‘ nur – schon rein zeitlich – äußerst begrenzt ist in Wahrnehmung und Bewertung. Mir fällt, was die gesellschaftliche Debatte anbetrifft, ein Wort von Henry M. Broder in diesem Zusammenhang ein: 

„Salonrevoluzzer, Weltveränderer und Utopisten waren immer für autoritäre und totalitäre Versuchungen anfällig…Da gibt es keine Debatten und keine Diskurse, keine Mehrheiten und keine Minderheiten, keinen Vermittlungsausschuss und kein Misstrauensvotum… Die Stärke des Systems ist auch seine Schwäche. Es ist langsam, es ist schwerfällig, es ist umständlich.“ 1

Dass die Stärke des Systems – die Ermöglichung der Teilhabe möglichst Vieler am gesellschaftlichen Diskurs durch Gewaltenteilung- Nachteile hat, wer wollte dies ernsthaft bestreiten? Doch sämtliche gesellschaftliche Großexperimente führten (und führen!) immer in absolute Katastrophen. Uns bleibt vielleicht kein anderer Weg übrig, als den „Weg der kleinen Schritte“ zu wagen. Und erst im Wagnis wird erfahrbar, ob die Richtung stimmt, die unser Leben trägt. 


  1. Henry M. Broder „Hurra, wir kapitulieren!“, Berlin 2007, S. 172 ff ↩︎
Foto von Sirius Harrison auf Unsplash

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