„Wochenimpuls 2026-03“
Wenn „die Stille dröhnt“, wie es Karl Rahner in einer schönen Weihnachtsmeditation treffend ausdrückte, kann etwas Merkwürdiges passieren. Etwas, was sich zunächst schwierig anfühlt, vor dem man weglaufen möchte. Wenn man spürt: Man ist – jetzt, hier und heute – allein mit sich, sich selbst anvertraut. Man kann sich nicht selbst davonlaufen. Das kann ein großes Erschrecken auslösen, dem man entfliehen möchte. Entfliehen in die Alltagswelt, die diese Gedanken und Erfahrungen möglichst schnell und umfassend ‚verscheucht“. Doch diese Erfahrung ist nicht nur im wörtlichen Sinn heil-sam. Sie ist unerlässlich, wenn wir aus dem Hamsterrad des Getriebes von Machen, Können, Leisten, Konsumieren heraustreten wollen. Wenn wir den Blick wieder schärfen wollen für das, was im Leben Priorität hat. (Wenn überhaupt etwas Priorität haben soll!)
Wenn wir den Mut haben, allein zu sein, dann mag uns auch die Gnade geschenkt werden, zu erfahren und zu erspüren, dass wir gewollt sind, dass das Leben in all seinen Unebenheiten, in seiner Unvollkommenheit und in seiner fragilen Existenz letztlich Verweischarakter trägt. Die Frage bleibt: Verweis – wohin und wodurch? Die berühmte Frage nach der Bedingung der Möglichkeit unserer fragwürdigen und hoffnungsvollen Existenz – sie stellt sich nicht im Lauten, sondern nur in der Stille, in der Einsamkeit.
„Wir können vielleicht von uns die Reichweite dieser unendlichen, göttlichen, machtvollen Dynamik unseres geistlichen Lebens nicht ausmessen, können vielleicht nicht ahnen, dass das, was passierte und was wirklich alles Endliche doch transzendieren will, in die innerste Unbezüglichkeit Gottes hineinreicht.“
Karl Rahner „Einübung priesterlicher Existenz“, Freiburg-Basel-Wien 1970, S. 273 f
Rudolf Hubert
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