20. Begegnungsnachmittag der Religionen

Weißt Du, wer ich bin?

Schwerin am 18. Oktober im Bernhard-Schräder-Haus, dem Gemeindehaus der Propstei St. Anna

Schwerin. Informationen aus erster Hand zu erhalten, sich auszutauschen und Tischgemeinschaft zu erleben – das zeichnet den Begegnungsnachmittag der Religionen aus. Er wurde in diesem Jahr zum 20. Mal vom Interreligiösen Dialog der Landeshauptstadt Schwerin durchgeführt. Zu der Jubiläumsveranstaltung, die am Sonntag, dem 18. Oktober, um 16.00 Uhr im Bernhard-Schräder-Haus, Klosterstraße 26, startete, erwartete die Gäste ein besonderes Programm. 

Das Bild zeigt Menschen, die an dem Begegnungstag teilgenommen und mitgewirkt haben.

Neben einem Rückblick haben Vertreter der Religionen ihre Sicht auf das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche „Dafür!“ dargelegt.

In Kurzbeiträgen haben sie Charakteristisches für ihre jeweilige Gemeinschaft eindrucksvoll präsentiert.

Eine abschließende Gesprächsrunde unter dem Thema „Damit Leben gelingt!“ widmete sich besonders jener Thematik, die schon im Jahr 1989 in Dresden die Delegierten der Ökumenischen Versammlung beschäftigte: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Ein Vermächtnis, das bis heute nicht eingelöst ist und seiner Umsetzung harrt. 

Das Bild zeigt Menschen, die an dem Begegnungstag teilgenommen und mitgewirkt haben.

Alle Religionsgemeinschaften waren sich darin einig, dass diese Themen – jenseits aller Unterschiede – eine tiefe Gemeinsamkeit beinhalten, die auch jene Menschen und Gruppierungen umfasst, für die Religion im Leben kein Thema ist. Weltethos, Weltverantwortung, Menschenrechte und Menschenwürde, deren Unteilbarkeit und Unverletzlichkeit Auftrag aller Religionsgemeinschaften ist –  ja, die hierfür Anwalt sind – das war Konsens in allen Beiträgen.

Von daher nahm das Thema Weltethos, das der langjährige Tübinger Theologe Hans Küngs (1928 – 2021) vehement vorangetrieben hat, auch in diesem Podiumsgespräch breiten Raum ein. 

Für die musikalische Umrahmung des Begegnungsnachmittags sorgte der Gospel-Chor „Spirit of Joy“unter der Leitung von Matthias Schröder.   Die Gäste hatten darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Namen kalligraphisch gestalten zu lassen. Eine gemeinsame interkulturelle Mahlzeit rundete das Programm ab. 

Das Bild zeigt Menschen, die an dem Begegnungstag teilgenommen und mitgewirkt haben.
Das Bild zeigt Menschen, die an dem Begegnungstag teilgenommen und mitgewirkt haben.
Das Bild zeigt Menschen, die an dem Begegnungstag teilgenommen und mitgewirkt haben.

„Zu der Veranstaltung, die jährlich im Oktober stattfindet, in diesem Jahr bereits zum 20. Mal in Schwerin, sind Christen, Juden und Muslime sowie weitere Interessenten eingeladen“, sagte Rudolf Hubert, Moderator des Interreligiösen Dialogs. „In diesem Jahr“, ergänzt Rainer Brunst, Projektmitarbeiter, „wird der Begegnungsnachmittag der Religionen durch die Schweriner Bürgerstiftung gefördert.“ Rainer Brunst dankte der evangelisch-lutherischen Petrusgemeinde auch dafür, dass sie die finanzielle Trägerschaft übernommen hat. Besonderer Dank gebührte auch in diesem Jahr wieder allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die so tatkräftig mithalfen bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung dieses Begegnungsnachmittages. Stellvertretend für all die Ehrenamtlichen sei die Initiative der Caritas aus dem Cafe Mama Chocolate eigens benannt. 

Zum Interreligiösen Dialog der Landeshauptstadt Schwerin gehören die Jüdische Gemeinde, die Katholische Propsteigemeinde St. Anna, die Evangelischen Kirchen Schwerins, die Russisch-Orthodoxe Gemeinde, das Islamische Zentrum Schwerin e.V. und der Islamische Bund Schwerin e.V. 

Zu den Anlagen:

Einige Bilder, der Brief an die Kinder aus dem Jahr 1989, geschrieben von den Delegierten der Ökumenischen Versammlung, sowie Kerngedanken von Hans Küng‘ s „Weltethos“ sollten einen kleinen Einblick in jene Themen vermitteln, die die Religionsvertreter beschäftigen. Sie sind sich ihres ‚Weltauftrages‘ bewusst angesichts einer Weltlage, die geprägt ist von Unsicherheit, Machtstreben und Orientierungslosigkeit. Dieser Welt, die in weiten Teilen fast vollständig säkularisiert erscheint, eine tragfähige Hoffnungsperspektive zu bezeugen, die über das Machbare und Nützliche hinausgeht, die den Geschenkcharakter des Lebens und die tiefe Gemeinsamkeit allen Lebens betont, darin sehen die Vertreter des Interreligiösen Dialogs in Schwerin ihre Hauptaufgabe – für heute und auch für die kommende Zeit. 

Rudolf Hubert, Moderator des Interreligiösen Dialogs in Schwerin

Brief an unsere Kinder

Ökumenische Versammlung Dresden

Liebe Kinder, 
die Erde, auf der wir leben, ist sehr bedroht. Schuld daran sind wir, die Erwachsenen. Aber einige haben es doch noch gemerkt. Deswegen haben sich zum dritten Mal viele Menschen getroffen, um darüber nachzudenken, was zur Rettung der Erde geschehen muss. Das ganz Besondere an diesem Treffen war, dass es Leute sind, die alle an den einen Gott glauben, das aber auf verschiedene Weise tun. Man kann auch Ökumenische Versammlung dazu sagen, und die Leute nennen sich Delegierte. Aber eigentlich sind sie Mütter und Väter, Großväter und Großmütter, Geschwister oder Paten; kurz: es sind Leute, die auch in Eurem Haus wohnen könnten. 

Was haben wir gemacht?

Wir haben nachgedacht und gebetet und wieder nachgedacht, was zu tun ist mit einer Welt, die wir Euch ziemlich kaputt übergeben müssen. Dann haben wir die Ergebnisse aufgeschrieben:

Hier sind die wichtigsten: 

  • Wir alle müssen aufpassen, dass es noch lange Zeit Bäume gibt, die in einen blauen Himmel wachsen können.
  • Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass niemand mehr einen anderen Menschen in einem Krieg erschießt.
  • Wir alle müssen teilen lernen, dass niemand mehr verhungert.
  • Wir alle müssen uns darum bemühen, dass jeder kleine und große Mensch sicher und geschützt in einer heilen Natur leben kann. 

Wenn wir müde geworden sind, sollt Ihr an unsere Stelle treten. Das ist eine schwere Aufgabe, auf die man vorbereitet sein muss. Deswegen haben wir Euch ein wenig von der Ökumenischen Versammlung erzählt.

Glaubt nicht, dass wir alles wissen, aber glaubt, dass wir alles tun wollen. 

Wir grüßen Euch und danken, dass Ihr uns zugehört habt. 

Friede sei mit Euch.

Schalom – 

Die Delegierten der Ökumenischen Versammlung 

Dresden April 1989 (Aus Friedrich Schorlemmer „Was protestantisch ist“ – Große Texte aus 500 Jahren, Freiburg 2008,190 f)

Damit Leben gelingt

Aussagen von Hans Küng zum Weltethos (aus Hans Küng „Was ich glaube“, München – Zürich 2010; Ziffern in Klammern geben die Seitenzahl an.)

Kein Friede unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.

Kein Friede unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.

Kein Dialog zwischen den Religionen ohne globale ethische Standards. (297)

Die Goldene Regel

„Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.“ 

„…ihre Verantwortung wahrzunehmen:

  • für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben,
  • für eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung,
  • für eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit,
  • für eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau. (296)

Fotos: LH Schwerin, Dimitri Avramenko

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